Die Direktorin der Fundación Dominicana de Estudios Marinos (Fundemar), Rita Sellares, hat vor einem alarmierenden Zustand der Meeresökosysteme in der Dominikanischen Republik gewarnt. Diese befänden sich laut ihrer Aussage in einem nie dagewesenen Rückgang.
„Drei Ökosysteme rufen heute nach unserer Aufmerksamkeit angesichts ihres kritischen Zustands. In meinen 20 Jahren Erfahrung habe ich noch nie einen so drastischen Rückgang erlebt“, betonte Sellares.
Sie erklärte, dass in nur vier Jahren 60 % der Korallenbedeckung verloren gegangen seien. Es sei dringend notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, um die verbleibenden Ökosysteme zu erhalten und den fortschreitenden Verfall zu stoppen.
Bedrohung für das marine Leben und die Umwelt
Diese Ökosysteme – Korallenriffe, Seegraswiesen und Mangroven – sind Lebensraum für zahlreiche Arten im Meer, an Stränden, in Flüssen und Seen und spielen eine zentrale Rolle für die Entwicklung der Tierwelt sowie für das Gleichgewicht des Ökosystems.
Die französische Botschafterin in der Dominikanischen Republik, Sonia Barbry, betonte, wie wichtig der Schutz maritimer Lebensräume sei – nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung und den Tourismus. Sie rief zu mehr Zusammenarbeit zwischen Umweltinstitutionen auf, um konkrete Lösungen gegen die Degradierung der Meeresökosysteme zu finden.
Erschreckende Daten aus dem Monitorea-Programm
Die Warnungen wurden im Rahmen eines Treffens zwischen Fundemar und der Französischen Botschaft vorgestellt. Dabei wurden Daten aus dem Überwachungsprogramm Monitorea präsentiert – eine Initiative von Fundemar und der Botschaft mit finanzieller Unterstützung von 500.000 Euro seitens der französischen Regierung.
Die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts:
- Über 70 % der 64 untersuchten Riffe weisen weniger als 10 % lebende Korallenbedeckung auf.
- 27 % der Seegrasflächen haben eine Bedeckung von unter 60 %.
- 19 % der Mangroven verfügen über weniger als 50 % lebende Vegetationsbedeckung.
Die Ergebnisse zeigen die hohe Verletzlichkeit der küstennahen marinen Ökosysteme und unterstreichen das Risiko, dass diese in den kommenden Jahrzehnten lokal und global gefährdet bleiben, wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen werden.
Wissenschaft als Grundlage für den Schutz
Sellares betonte: „Diese Erhebung ist ein erster Schritt zum Verständnis des aktuellen Zustands besonders anfälliger Ökosysteme. Nur durch kontinuierliche Überwachung können wir stabile oder rückläufige Entwicklungen identifizieren, Ursachen erkennen und wissenschaftlich fundierte Lösungen entwickeln.“ Eine institutionelle Zusammenarbeit sei entscheidend, um diese lebenswichtigen Ressourcen langfristig zu erhalten.
Kohlenstoffbindung und Nahrungsketten
Aldo Cróquer, Programmleiter Meeresumwelt bei The Nature Conservancy (TNC) in der Karibik, hob die Bedeutung von Mangroven und Seegraswiesen hervor. Diese speichern pro Quadratkilometer große Mengen an Kohlenstoff und organischer Substanz. Ihr Verlust beeinträchtigt nicht nur die CO₂-Aufnahmefähigkeit, sondern auch die Nahrungsketten, da vielen ökologisch und wirtschaftlich wichtigen Arten die Nahrungsgrundlage entzogen wird.
