Stärken und Schwächen des Reiseziels Jarabacoa

Jarabacoa hofft auf staatliche Unterstützung zur Entfaltung seines Ökotourismuspotenzials

Lesedauer: 3 Min.

Die Ökotourismus-Angebote von Jarabacoa haben sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt – jedoch ohne nennenswerte Unterstützung seitens des Staates, der es bisher versäumt hat, den Ort als unverzichtbares Reiseziel für internationale Touristen zu positionieren.

Unternehmer und Investoren in der Region sind sich einig: Die schleppende Umsetzung wichtiger Infrastrukturprojekte – etwa der Straße nach Constanza oder des dringend benötigten Aquädukts –, das Fehlen eines Raumordnungsplans sowie die mangelnde Einbindung Jarabacoas in nationale Tourismusstrategien bremsen die Entwicklung des Sektors.

Diese Faktoren haben dazu geführt, dass der Tourismus in Jarabacoa weiterhin hauptsächlich von einheimischen Besuchern getragen wird, die das Gebiet an Wochenenden oder Feiertagen ansteuern. Nach Angaben des Tourismus-Clusters von Jarabacoa beschränkt sich die wirtschaftliche Aktivität somit häufig auf nur etwa 12 Tage im Monat.

„Vor allem im Sommer kommen viele Dominikaner, die im Ausland leben, um hier in den Bergen, auf dem Land und am Fluss ihre Freizeit zu genießen. Aber wir haben immer noch nicht den durchgehenden, internationalen Tourismus unter der Woche“, erklärte Alba Yris Rodríguez, Präsidentin des Tourismus-Clusters.

Wachstum und Herausforderungen

Die Pandemiezeit führte zu einem Immobilienboom und einer starken Zunahme von Kurzzeitvermietungen, was viele in- und ausländische Investoren anzog – insbesondere solche, die bereits in etablierten Reisezielen wie La Romana oder Punta Cana aktiv waren.

Dieses beschleunigte Wachstum brachte jedoch auch bestehende Defizite ans Licht. „Wir haben erkannt, dass die Infrastruktur Jarabacoas den neuen Anforderungen nicht gewachsen ist“, so Rodríguez.

Heute zählt Jarabacoa über 1.000 Unterkünfte, darunter Landvillen und Hotels. Ergänzt wird das Angebot durch eine vielfältige Gastronomie, die von der günstigen Lage profitiert, sowie Outdoor-Aktivitäten wie professionelles Rafting, Wandern, Paragliding, Touren mit Boogies und Geländewagen (4×4).

Forderung nach mehr staatlichem Engagement

José Tejeda, Präsident des Unterstützungsrats von Jarabacoa, betonte, dass die gute Sicherheitslage das Investitionsklima begünstigt und zur Entwicklung des Tourismus beigetragen habe.

Trotzdem mangele es weiterhin an öffentlicher Unterstützung für Initiativen, die der Gemeinde den nötigen wirtschaftlichen Impuls geben könnten. „Ohne Kritik – aber das Tourismusministerium scheint Jarabacoa vergessen zu haben. Aktuell wird hier überhaupt nicht investiert“, kritisierte Tejeda laut Diario Libre.

Sowohl Rodríguez als auch Tejeda nannten zwei besonders dringliche Projekte: den Abschluss der Straße zwischen Jarabacoa und Constanza sowie die Fertigstellung eines Aquädukts zur Trinkwasserversorgung.

Darüber hinaus gibt es weitere Herausforderungen, die gelöst werden müssen, um den Tourismus weiter zu fördern – etwa die Regulierung der Lärmbelastung in Wohn- und Tourismuszonen sowie das Fehlen einer angemessenen Beschilderung auf Straßen und an Naturattraktionen wie dem Mogote-Wanderweg, dem Nationalpark Ébano Verde oder dem Nationalpark Armando Bermúdez.

Die Erweiterung der Hauptstraße nach Constanza auf vier Fahrstreifen, für die laut Verkehrsministerium mehr als 500 Millionen Pesos bereitgestellt wurden, schreitet nur langsam voran. Auch wenn diese Verzögerung den Tourismus bislang nicht massiv beeinträchtigt hat, sei es dennoch so, „dass die Leute sich zweimal überlegen, ob sie wirklich nach Jarabacoa fahren wollen“, so Rodríguez.