In einer zunehmend vernetzten Welt hat sich das Online-Mobbing zu einer wachsenden und gefährlichen Form digitaler Gewalt entwickelt, von der Menschen jeden Alters in der Dominikanischen Republik betroffen sind.
Trotz seiner verheerenden Auswirkungen fehlt es an einer spezifischen Gesetzgebung, die Cybermobbing sanktioniert. Dadurch bleiben die Opfer schutzlos und verletzlich. Während Länder in Nordamerika, Europa und Lateinamerika bereits über Gesetze verfügen, um diesem Phänomen zu begegnen, steht die Dominikanische Republik noch vor der Herausforderung, ein wirksames Gesetz umzusetzen, das Sicherheit und Schutz im digitalen Raum gewährleistet.
Deshalb fordern Fachleute und Behörden dringend die Verabschiedung klarer und entschlossener Regelungen zur Bekämpfung dieser stillen Bedrohung.
Was ist Online-Mobbing?
Online-Mobbing, auch bekannt als Cybermobbing oder digitale Gewalt, umfasst eine Vielzahl von Verhaltensweisen: Drohungen, Erpressung mit intimen Bildern (auch bekannt als „Sextortion“), nicht einvernehmliche Verbreitung sexueller Inhalte, wiederholte Beleidigungen, Identitätsdiebstahl oder andauernde Überwachung über soziale Netzwerke.
Im Gegensatz zu persönlicher Belästigung kann diese Form der Gewalt anonym, viral und rund um die Uhr stattfinden – was ihre zerstörerischen Auswirkungen noch verstärkt.
Besorgniserregende Zahlen
Laut der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) haben 40 % der Frauen in der Region irgendeine Form digitaler Gewalt erlebt.
Besonders betroffen sind Jugendliche zwischen 13 und 24 Jahren – mit Mädchen und erwachsenen Frauen als Hauptopfer. Das Phänomen nahm nach der Pandemie zu, begünstigt durch die intensive Nutzung digitaler Geräte und sozialer Netzwerke.
Was macht der Rest der Welt?
Das Vereinigte Königreich war eines der ersten Länder, das Gesetze gegen Cybermobbing verabschiedete – wie das Malicious Communications Act (1988) und das aktuelle Online Safety Act (2023), das hohe Geldstrafen gegen Plattformen vorsieht, die schädliche Inhalte nicht entfernen.
In Japan wurde 2022 das Strafgesetzbuch reformiert, nachdem die Wrestlerin Hana Kimura Suizid beging. Seither werden Online-Beleidigungen mit Gefängnis geahndet.
Mexiko wiederum verabschiedete das sogenannte Ley Olimpia, das digitale Gewalt und die nicht einvernehmliche Verbreitung intimer Inhalte unter Strafe stellt.
Die Lage in der Dominikanischen Republik
In der Dominikanischen Republik gab es zwar Fortschritte, jedoch nur in Teilbereichen. Aktuell existiert das Gesetz 53-07 über Cyberkriminalität, das unter anderem unbefugten Zugriff, Internetbetrug und digitale Verleumdung unter Strafe stellt. Doch Cybermobbing wird nicht ausdrücklich definiert, was eine rechtliche Lücke hinterlässt.
Das Strafgesetzbuch behandelt sexuelle Belästigung nur im beruflichen oder physischen Umfeld. Das Gesetz 136-03 schützt Kinder und Jugendliche vor Gewalt, erwähnt jedoch Cybermobbing nicht ausdrücklich.
Laufende Gesetzesinitiativen
Derzeit sind mehrere Gesetzesvorschläge in Diskussion:
- Ein umfassender Gesetzesentwurf gegen Gewalt an Frauen, der erstmals auch Cybermobbing und Belästigung im öffentlichen Raum umfasst, mit Strafen von bis zu zehn Jahren Haft.
- Eine Reform des Gesetzes 53-07, die Cybermobbing als wiederholtes schädliches Verhalten über digitale Medien definiert und mit zwei bis fünf Jahren Gefängnis belegt.
- Änderungen am Gesetz 136-03, die Cybermobbing und digitales Mobbing im Schulumfeld als Straftaten einführen.
Diese Initiativen entstehen auf Druck feministischer Organisationen, juristischer Kreise und internationaler Institutionen, die mehr rechtlichen Schutz gegenüber einer Gewaltform fordern, die keine Alters- oder Sozialgrenzen kennt.
Im September 2023 betonte die emeritierte Richterin des Obersten Gerichtshofs, Esther Agelán Casasnovas, dass das Leid der Opfer von Cybermobbing in der Dominikanischen Republik durch das Fehlen einer spezifischen Gesetzgebung verschärft werde – ein Problem, das insbesondere Kinder betreffe.
Sie forderte daher eine Reform des Gesetzes über Cyberkriminalität, um diesen Straftatbestand aufzunehmen. Zudem unterstrich sie die Bedeutung einer aktiveren Rolle der Familien in der digitalen Aufsicht ihrer Kinder.
Diese Aussagen machte sie im Rahmen ihres Vortrags „Cybermobbing oder Cyberstalking. Wie betrifft es die Familie?“ auf der Ersten Internationalen Verfassungsmesse zu Familie und Gleichstellung, organisiert vom Verfassungsgerichtshof.
Verfügbare Hilfsangebote
Mangels spezifischer Gesetze haben einige Institutionen Präventions- und Hilfsprogramme entwickelt:
- Das Dominikanische Telekommunikationsinstitut (Indotel) hat Aufklärungskampagnen zu Cybersicherheit gestartet, Schulworkshops und Panels zu Cyberbullying – in Zusammenarbeit mit der Fundación MAPFRE und staatlichen Stellen.
- Das Frauenministerium bietet rechtliche und psychologische Unterstützung für Frauen, die Opfer digitaler Gewalt wurden. Erreichbar unter der Kurzwahl *212 von jedem Mobiltelefon.
- Chatbot Sara, entwickelt mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (PNUD), bietet sichere Informationen und Hilfe für Frauen, die geschlechtsspezifische Gewalt erleben. Verfügbar auf der Website des Frauenministeriums.
- Die Línea Vida (Leben-Hotline) 809-200-1202, betrieben von der Regierung und mehreren NGOs, bietet seit 2017 emotionale Unterstützung und Beratung rund um die Uhr. Alle Meldungen sind vollständig vertraulich.
Psychologische Auswirkungen
Studien zeigen, dass Opfer von Online-Mobbing oft unter Angstzuständen, Depressionen und Suizidgedanken leiden.
Frauen und Jugendliche, die Anzeige erstatten, finden häufig weder im Justizsystem noch im persönlichen Umfeld ausreichende Unterstützung – was ihre Isolation noch verstärkt.
Hinzu kommt der Missbrauch von Künstlicher Intelligenz und anonymen Plattformen, die das Erstellen und Verbreiten von Fake-Bildern und Deepfakes mit Belästigungsabsicht erleichtern – ohne dass es eine nationale Gesetzgebung zur Regulierung dieser Praktiken gibt.
Was wird gebraucht?
- Klare rechtliche Definition von Cybermobbing als eigenständige Straftat
- Schulung von Staatsanwälten und Richtern zu digitaler Gewalt und technologischer Beweissicherung
- Verpflichtung von Plattformen, mit den Behörden zu kooperieren und schädliche Inhalte zu entfernen
- Digitale Bildung in Schulen zur Aufklärung über Risiken und Schutzmaßnahmen
- Besonderer Schutz für Frauen, Mädchen und LGTBIQ+-Personen, die überproportional häufig Opfer grausamer und wiederholter Online-Angriffe werden
Beispielhafte Fälle
Zwar gibt es in der dominikanischen Justiz noch keine spezifischen Urteile wegen Cybermobbing als eigenständige Straftat, aber es wurden Fälle verhandelt, bei denen digitale Technologien entscheidend waren.
Einer der bedeutendsten Fälle war die Verurteilung eines Offiziers der Armee zu 15 Jahren Haft wegen sexueller Gewalt, aufgedeckt durch Videos, die auf Google Drive gespeichert waren. Die Staatsanwaltschaft nutzte das Gesetz 53-07 zur rechtlichen Untermauerung des Falls. Ein weiteres Beispiel ist die Arbeit der Spezialstaatsanwaltschaft für Cyberkriminalität (PEDATEC), die Straftaten verfolgt, die online beginnen oder stattfinden.
Im vergangenen Jahr registrierte das Bildungsministerium (Minerd) 796 Fälle von Cybermobbing – eine neue Form der Gewalt mit sozialen Netzwerken als Hauptschauplatz.
„Hier greifen präventive Maßnahmen sowie psychologische Unterstützung und Förderung sozialer Kompetenzen.“
„In diesen Fällen klären wir gemeinsam mit Schülern und Eltern über die langfristigen Konsequenzen auf, die unangemessenes Verhalten auf digitalen Plattformen mit sich bringt“, erklärte Betty Reyes, Beraterin im Amt für Orientierung und Psychologie des Bildungsministeriums, gegenüber Diario Libre.
