Laut dem Sondervertrag über die Verpachtung von Bergbaurechten (CEAM) sowie dem Umweltschutzgesetz steht den Gemeinden, in denen sich Bergbauprojekte befinden – wie im Fall der Mine Barrick Pueblo Viejo (PVDC) –, ein Anspruch auf 5 % der Nettoerträge aus der Ausbeutung zu.
Doch aus den vom Finanzministerium vorgelegten Zahlen geht hervor, dass keine Regierung diese gesetzliche Verpflichtung jemals erfüllt hat. Die Provinz Sánchez Ramírez erhält lediglich einen Bruchteil der Gewinne, die durch den Bergbau erwirtschaftet werden.
Variable Gewinne, fixe Zuweisungen
Die Nettoerträge des Projekts – basierend auf dem Cashflow von PVDC – schwanken stark, da sie von vielen dynamischen Faktoren abhängen: Produktionsvolumen, internationale Rohstoffpreise, Betriebskosten, Investitionen und buchhalterische Anpassungen. Dadurch variieren die Einnahmen von Jahr zu Jahr deutlich.
Beispiele laut offiziellen Daten:
- 2018: Einnahmen von US$173,3 Mio.
- 2021: Einnahmen von US$491,9 Mio.
- Staatlicher Anteil an Nettoerträgen (PUN): Null in manchen Jahren, bis zu US$183,9 Mio. in 2021
Trotz dieser Schwankungen zeigt die Budgetanalyse des Provinzrats zur Verwaltung der Bergbaufonds (Fomisar), dass über Jahre hinweg feste Beträge zugewiesen wurden:
- 2016–2021: RD$200 Mio. jährlich
- 2022–2023: RD$300 Mio.
- zuletzt: RD$400 bis RD$450 Mio.
Diese starre Budgetierung widerspricht der gesetzlich vorgeschriebenen variablen Beteiligung an den Nettoerträgen. So erhielt die Gemeinde im Jahr 2021 genauso viel wie 2018, obwohl PVDC im Vergleich fast das Dreifache an Einnahmen erzielte.
Beispielrechnung: Fehlende Millionen
Im Jahr 2021 hätte allein 5 % der PUN etwa US$9,2 Mio. betragen – das entspricht über RD$520 Mio. zum damaligen Durchschnittskurs. Tatsächlich aber wurden nur RD$200 Mio. zugewiesen – weniger als 40 % des gesetzlichen Anspruchs.
Diese Differenz ist nicht bloß ein Rechenfehler, sondern bedeutet einen Verlust legitimer Mittel für die betroffenen Gemeinden, denen laut Gesetz ein Anteil an den Gewinnen zusteht.
Transparenz und offene Fragen
Noch unklar ist, welche finanziellen Verpflichtungen der Staat übernommen hat, etwa im Zusammenhang mit Umsiedlungen aufgrund des Baus des neuen Rückhaltebeckens (presa de colas) zur Ausweitung der Bergbauaktivitäten in Pueblo Viejo.
Die bisherige Praxis zeigt: Die gesetzliche Vorgabe eines variablen Gewinnanteils wird de facto durch ein starres Budgetsystem ersetzt, das weder mit den tatsächlichen Gewinnen korrespondiert noch den Gemeinden gerecht wird.
Fazit: Die Gemeinden von Sánchez Ramírez haben seit Beginn der Ausbeutung niemals den vollen, gesetzlich zugesicherten Anteil an den Gewinnen aus dem Bergbau erhalten – ein strukturelles Versäumnis mit erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Folgen.
