Edickson Herrera Silvestre, Regidor der Modernen Revolutionären Partei (PRM) in der Circunscripción 1 des Nationaldistrikts, stand laut seinem eigenen Schuldeingeständnis an der Spitze einer Organisation, die Drogen in die Vereinigten Staaten schmuggelte.
Das Netzwerk wurde zudem vom pensionierten Polizeigeneral William Durán Jerez unterstützt, der sich gemeinsam mit dem Regidor vor der US-Justiz wegen Kokainhandels schuldig bekannte.
Gerichtsunterlagen, auf die diese Zeitung Zugriff hatte, zeigen, dass beide umfassende Zusammenarbeit mit den US-Behörden zugesagt haben.
Ein dritter Beteiligter, José Eduviges Aponte Torres – bekannt als „Buby“ oder „Meano“ – gestand ebenfalls seine Schuld und unterzeichnete ein Kooperationsabkommen mit der amerikanischen Justiz.
Nachfolgend ein grundlegender Überblick über das Vorgehen des Netzwerks, basierend auf den in der US-Gerichtsbarkeit eingereichten Dokumenten.
Die Kooperation
Die Angeklagten verpflichteten sich, Informationen, glaubhafte Zeugenaussagen, Dokumente und Beweismittel vorzulegen, sowie bei Bedarf unter Aufsicht an verdeckten Operationen mitzuwirken. Ebenso sagten sie zu, keine anderen Personen zu schützen oder neue Straftaten zu begehen.
Laut der offiziellen Anklage konspirierte die Organisation zwischen Mai 2020 und November 2022, um mindestens fünf Kilogramm Kokain in den Süden Floridas zu transportieren.
Während dieses Zeitraums blieb der Regidor Herrera Silvestre in der Dominikanischen Republik und leitete die Planung des Drogenschmuggels gemeinsam mit mindestens zwei Mitverschwörern.
Wie operierte das Netzwerk?
Edickson Herrera Silvestre erwarb ein Schiff namens „The Ghost“ („El Fantasma“) für rund 200.000 US-Dollar.
Die Drogenhändler arbeiteten von einem Resort in Puerto Plata aus, dessen Name in den Dokumenten nicht genannt wird. Dieses Hotel diente als Lager- und Umschlagplatz für die Übergabe der Ware an das Schiff auf hoher See.
General Durán Jerez war derjenige, der der Gruppe den Kapitän des „Ghost“ vorstellte.
Die Rollen der Hauptangeklagten
– Der General war früher Direktor der Präventiven Sicherheit der Nationalpolizei sowie Aufsichtsperson der Junta Central Electoral, bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2009.
– Herrera Silvestre wurde 2020 mit 3.731 Präferenzstimmen in das Amt gewählt und 2024 mit 3.032 Stimmen wiedergewählt. Im September 2025 suspendierte ihn der Stadtrat des Nationaldistrikts wegen monatelanger Abwesenheit.
Die PRM erklärte im April 2025, dass jedes Parteimitglied, das in kriminelle Aktivitäten verwickelt sei, die rechtlichen Konsequenzen tragen müsse.
Die Route der Droge
Die Transportkette bestand darin, Kokain zunächst in Südamerika zu erwerben und in die Dominikanische Republik zu bringen. Von dort wurde es mit einem kleinen Boot zu „The Ghost“ transportiert, der das Rauschgift anschließend bis in die Vereinigten Staaten brachte.
Die Organisation vereinte mehrere Investoren, die ihre jeweiligen Drogenmengen zusammenlegten, um umfangreiche Lieferungen durchzuführen. Insgesamt wurden innerhalb von zwei Jahren mindestens 376 Kilogramm Kokain verschoben – mit einem geschätzten Marktwert von mehr als sieben Millionen US-Dollar (Preisbasis 2022).
Zusätzlich zu seinem eigenen Handel verlangte Herrera Silvestre von anderen Drogenhändlern eine Gebühr von 5.000 US-Dollar pro transportiertem Kilo, womit sich ein lukratives Geschäft innerhalb des internationalen Drogenhandels etablierte.
Verteilung in Florida
In Florida verfügte das Netzwerk über ein „Safehouse“, das als Lager für Hunderte Kilogramm Kokain diente. Die Behörden beobachteten Aktivitäten vor Ort und fanden bei einer Razzia ein Depot von 160 Kilogramm.
Ein konkreter Fall beschreibt, wie José Eduviges Aponte Torres einer Festnahme entging, indem er Kokain in einem Müllbehälter versteckte und den Vorrat so vor Verlust schützte.
Nach den Razzien flohen Mitglieder des Netzwerks nach Texas und Mexiko und kehrten später in die Dominikanische Republik zurück, wo sie Pläne schmiedeten, um die finanziellen Verluste der gescheiterten Operationen auszugleichen.
Die Urteile
Die Verlesung der Urteile erfolgt wie folgt:
– Aponte Torres: 5. Dezember
– General Durán Jerez: 11. Dezember
– Regidor Herrera Silvestre: 8. Januar 2026
Die möglichen Strafen reichen von zehn Jahren bis zu lebenslanger Haft. Die Kooperation mit den Behörden könnte jedoch zu Strafminderungen und einer anschließenden Bewährungszeit führen, die mindestens fünf Jahre betragen kann – gegebenenfalls auch deutlich länger.
