Die Dominikanische Republik steht vor einer weiteren deutlichen Erweiterung ihrer Hotelkapazitäten. Nach Einschätzung des Hotel- und Tourismusverbandes Asonahores könnten in den kommenden fünf Jahren zwischen 15.000 und 20.000 zusätzliche Hotelzimmer benötigt werden, um mit dem erwarteten Wachstum des Tourismus Schritt zu halten.
Derzeit verfügt das Land über mehr als 90.000 klassische Hotelzimmer. Gleichzeitig entstehen neue touristische Schwerpunkte außerhalb der etablierten Zentren. Während Punta Cana und die Provinz La Altagracia ihre führende Rolle behalten, gewinnen insbesondere Miches, Pedernales und Puerto Plata an Bedeutung. Auch Santo Domingo, Santiago, Samaná und La Romana bieten nach Einschätzung des Verbandes weiteres Entwicklungspotenzial.
Aguie Lendor, Vizepräsidentin von Asonahores, betont allerdings, dass sich der künftige Bedarf nicht allein anhand einer festen Zahl bestimmen lasse. Entscheidend seien unter anderem die Entwicklung der internationalen Besucherzahlen, durchschnittliche Aufenthaltsdauer, Hotelauslastung, Flugverbindungen und die regionale Verteilung der Gäste.
Bis zu 11.000 neue Zimmer bis 2027 möglich
Nach offiziellen Prognosen, die auf der Tourismusmesse FITUR 2026 vorgestellt wurden, könnten 4.411 über CONFOTUR geförderte Hotelzimmer noch vor Ende 2026 fertiggestellt werden. Mit weiteren für 2027 vorgesehenen Projekten könnte die Zahl auf insgesamt 8.000 bis 11.000 neue Zimmer steigen.
Dabei handelt es sich jedoch um Planungen. Genehmigte Projekte stehen nicht automatisch kurzfristig für Gäste zur Verfügung. Baufortschritt, Genehmigungsverfahren, Finanzierung, Ausstattung und tatsächlicher Eröffnungstermin können den Zeitplan beeinflussen.
Parallel zur Erweiterung der Kapazitäten müsse nach Ansicht von Asonahores auch ein Teil des vorhandenen Hotelangebots modernisiert und neu positioniert werden.
Der Verband sieht zudem einen erheblichen Bedarf an begleitenden Investitionen. Straßen, Flughäfen, Energie- und Wasserversorgung müssten ebenso mitwachsen wie Ausbildungsmöglichkeiten für Beschäftigte und zusätzliche Dienstleistungen.
Miches, Pedernales und Puerto Plata wachsen
Besonders deutlich wird die geografische Diversifizierung bei mehreren Großprojekten.
In Punta Bergantín bei Puerto Plata sind rund 4.000 Hotelzimmer vorgesehen, davon etwa 1.500 in einer ersten Phase. Zu den dort genannten internationalen Marken gehören Meliá, Westin und Hyatt.
Auch Miches entwickelt sich weiter zu einem neuen Schwerpunkt hochwertiger Hotelprojekte. Dort investieren beziehungsweise planen nach den vorliegenden Angaben unter anderem Four Seasons, Hilton, Kimpton und Meliá.
In Cabo Rojo in Pedernales entstehen ebenfalls groß angelegte Hotelprojekte. Mit Marken wie Iberostar, Secrets und Dreams soll die Region im Südwesten langfristig als internationales Reiseziel etabliert werden.
Für Samaná sieht Asonahores weiterhin Raum für neue, stärker differenzierte Projekte, die insbesondere die natürlichen Besonderheiten der Region nutzen und Gäste in höherpreisigen Segmenten ansprechen.
Puerto Plata wiederum könnte vom wachsenden Kreuzfahrttourismus und einer verbesserten Fluganbindung profitieren. In Santo Domingo und Santiago sieht der Verband vor allem Potenzial für Stadthotels im Zusammenhang mit Geschäftsreisen, Kongressen, Gesundheitstourismus, Sport und Veranstaltungen.
Punta Cana bleibt Investitionsschwerpunkt
Trotz der Entwicklung neuer Regionen konzentriert sich weiterhin ein erheblicher Teil der Investitionen auf La Altagracia und Punta Cana. Dort entstehen zunehmend Hotels im Luxus- und Ultra-Luxussegment.
Zu den genannten Projekten gehören unter anderem Moon Palace, St. Regis Cap Cana und Four Seasons. Asonahores sieht darin einen Wandel des dominikanischen Hotelmodells hin zu höherwertigen Angeboten mit größeren Investitionen pro Zimmer und einer stärkeren Ausrichtung auf Gäste mit höherer Kaufkraft.
Auch internationale Hotelgruppen wie Marriott, Hyatt, Iberostar, Palace Resorts und Lopesan erweitern ihre Präsenz. Lopesan plant beispielsweise mit Caoba Lagoon Resort, Serenity Bay und Splash Cove zusammen mehr als 1.000 zusätzliche Zimmer in Punta Cana.
Mehr als sechs Milliarden Dollar angekündigt
Die während der FITUR 2026 angekündigten Investitionsvereinbarungen belaufen sich nach den vorliegenden Angaben auf mehr als sechs Milliarden US-Dollar und könnten rund 11.000 zusätzliche Zimmer hervorbringen.
Hinzu kommen Projekte im Umfang von etwa 115 Milliarden dominikanischen Pesos, die von der Banco de Reservas geprüft werden. Dazu zählen neben Hotels auch Kongresszentren, touristische Immobilienprojekte und Freizeiteinrichtungen.
Asonahores betont, dass neue Hotelzimmer allein nicht ausreichen werden, um das Tourismuswachstum langfristig abzusichern. Notwendig seien gleichzeitig bessere Flugverbindungen, öffentliche Infrastruktur, Versorgung, Mobilität, internationale Vermarktung, Sicherheit und qualifiziertes Personal.
Eine wichtige Rolle für weitere Investitionen spielt nach Angaben des Verbandes weiterhin das über CONFOTUR verwaltete Fördersystem auf Grundlage des Gesetzes 158-01. Dieses sieht unter bestimmten Voraussetzungen steuerliche Vergünstigungen für touristische Projekte vor.
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Die neuen Hotelprojekte verändern nicht nur die Kapazitäten, sondern auch die touristische Landkarte der Dominikanischen Republik. Ein Blick auf die einzelnen Regionen hilft dabei, diese Entwicklung geografisch einzuordnen.
Reiseziele der Dominikanischen Republik
Punta Cana bleibt das größte Urlaubszentrum des Landes, doch Regionen wie Samaná, Puerto Plata, Miches und Pedernales gewinnen zunehmend an Bedeutung. Ihre Landschaft, Infrastruktur und touristische Ausrichtung unterscheiden sich dabei deutlich.
