Stärkung der parlamentarischen Kontrollfunktion

Gesetz zur Kontrolle durch den Nationalkongress: Bürger könnten bei Nichtbefolgung bis zu einem Jahr inhaftiert werden

Lesedauer: 2 Min.

Der Senat der Dominikanischen Republik hat in zweiter Lesung das Organische Gesetz über die Kontrolle und Aufsicht des Nationalkongresses verabschiedet. Das Gesetz war über 20 Jahre lang blockiert und regelt künftig die Verfahren zur politischen Kontrolle durch das Parlament – darunter politische Verfahren, Befragungen, Einladungen und weitere Kontrollmechanismen, die den Abgeordneten zustehen.

Ein zentrales Element des neuen Gesetzes ist die Einsetzung einer Sonderermittlungskommission, die befugt ist, jede Person – ob natürlich oder juristisch – zur persönlichen Aussage zu einem festgelegten Thema vorzuladen.

Sanktionen bei Nichterscheinen

Laut Artikel 43 wird eine Vorladung durch einen Gerichtsvollzieher übermittelt. Falls eine Person der Aufforderung ohne triftigen Grund nicht freiwillig Folge leistet, gilt das als Strafbestand des Ungehorsams (Desacato).

Artikel 47 führt aus:

„Eine natürliche oder juristische Person, die trotz ordnungsgemäßer Vorladung ohne berechtigten Grund nicht vor der Sonderermittlungskommission erscheint, begeht die Straftat des Ungehorsams und wird mit einer Freiheitsstrafe von 15 Tagen bis zu einem Jahr sowie einer Geldstrafe von ein bis zwei öffentlichen Mindestlöhnen belegt.“

Begleitung und Weiterleitung an die Staatsanwaltschaft

Laut Artikel 46 dürfen geladene Personen in Begleitung einer selbst bestimmten Person erscheinen, sofern dies im Voraus dem Vorsitz der Kommission mitgeteilt wird.

Sollten sich während der Anhörung Hinweise auf strafrechtlich relevantes Verhalten ergeben, ist die Kommission verpflichtet, dies dem Präsidenten der jeweiligen Parlamentskammer zu melden, damit dieser die Staatsanwaltschaft informiert, wie im zweiten Absatz des Artikels festgelegt.

Nächste Schritte

Das Gesetz wurde bereits von beiden Kammern verabschiedet und befindet sich nun zur Unterzeichnung beim Präsidenten, um endgültig in Kraft zu treten. Es stellt ein bedeutendes Instrument zur Stärkung der parlamentarischen Kontrollfunktion dar – gleichzeitig aber auch ein umstrittenes, da es scharfe Sanktionen gegen Bürger und Institutionen vorsieht, die einer parlamentarischen Vorladung nicht folgen.