Die Zahl der Motorräder in der Dominikanischen Republik steigt von Jahr zu Jahr. Laut Angaben der Generaldirektion für internen Steuerdienst (DGII) waren im März 2025 landesweit 3.587.028 Motorräder registriert – eine Zahl, die in keinem Verhältnis zur Anzahl der Personen steht, die offiziell über eine Fahrerlaubnis für diese Fahrzeuge verfügen.
Nach Angaben des Instituts für Landverkehr und Transport (Intrant) besitzen lediglich 10.827 Personen eine gültige Fahrerlaubnis der Kategorie 1 für Motorräder. Das entspricht lediglich 0,3 % der gemeldeten Motorräder im Land – ein alarmierender Indikator für die tiefgreifenden Probleme bei der Regulierung und Kontrolle dieses weit verbreiteten Verkehrsmittels.
Diese Diskrepanz spiegelt sich auch in den Unfall- und Verstoßstatistiken wider: Motorräder führen seit Jahren die Ranglisten der Verkehrsdelikte und Unfallursachen an. Seit 2018 ist das Nichttragen eines Schutzhelms – eine Vorschrift, die ausschließlich für Motorradfahrer gilt – die häufigste Verkehrsübertretung, noch vor dem Überfahren roter Ampeln.
Allein im vergangenen Jahr verzeichnete die Verkehrs- und Transportsicherheitsbehörde (Digesett) 573.078 Strafzettel wegen fehlender Helme. Diese Zahlen korrelieren direkt mit den Todesfällen im Straßenverkehr: Präsident Luis Abinader erklärte im Rahmen der Pressekonferenz La Semanal am 23. September 2024, dass 85 % der Todesfälle unter Motorradfahrern auf das Fehlen eines Helms zurückzuführen seien. Zudem machten Motorunfälle rund 68 bis 69 % aller Verkehrsunfälle im Land aus, wobei „rücksichtslose Fahrweise“ als Hauptursache gilt.
„Unser eigentliches Verkehrsproblem liegt bei den Motorrädern“, sagte Abinader. „Die meisten dieser Unfälle enden tödlich, weil fast keiner der Verunglückten einen Helm trägt. Es ist auch ein strukturelles Problem der fehlenden Regulierung für die große Zahl an Motorradfahrern im Land.“
Voraussetzungen für den Motorradführerschein
Laut der offiziellen Webseite des Intrant kostet der Führerschein der Kategorie 1 (für zwei- und dreirädrige Motorräder) RD$ 900, zuzüglich RD$ 600 für das polizeiliche Führungszeugnis. Die Ausstellung erfolgt nach Vorlage des Zahlungsnachweises und dem persönlichen Erscheinen in einem der Lizenzzentren – zusammen mit dem Fahrzeug.
Auffällig ist: Es sind keine theoretischen oder praktischen Prüfungen vorgeschrieben, um die Fahrerlaubnis zu erhalten. Ein einfacher Prozess, der laut Intrant etwa 90 Minuten dauert und eine medizinische Untersuchung, Blutgruppentypisierung, ein kurzes Theorietest, Fotoaufnahme und Unterschrift umfasst.
Diese laxen Voraussetzungen und die niedrige Lizenzquote werfen grundlegende Fragen zur Verkehrssicherheit und zur Effizienz staatlicher Kontrollmechanismen auf – insbesondere angesichts der hohen Unfallzahlen und Todesfälle im Motorradverkehr.
