Drei Umweltorganisationen der Dominikanischen Republik haben bei der Generalstaatsanwaltschaft Strafanzeige gegen Umweltminister Paíno Henríquez erstattet. Sie werfen ihm eine Mitverantwortung für die Zerstörung geschützter Mangrovenflächen im Zusammenhang mit dem Bau zweier Gaskraftwerke vor. Nach Angaben der Organisationen wurden rund 575.000 Quadratmeter Küstenvegetation und Mangroven beschädigt oder zerstört.
Die Anzeige wurde von der Sociedad Ecológica del Cibao (SOECI), dem Nationalen Komitee gegen den Klimawandel (CNLCC) und dem Institut der Rechtsanwälte für Umweltschutz (Insaproma) eingereicht.
Die Biologin Ángela Guerrero erklärte, die Organisationen forderten eine strafrechtliche Untersuchung gegen den Minister wegen mutmaßlicher Mittäterschaft, Unterlassung und Förderung umweltschädlicher Aktivitäten.
Grundlage der Anzeige ist das dominikanische Umweltgesetz 64-00, das für die Zerstörung von Mangrovengebieten Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren vorsieht.
Vorwürfe wegen zweier Gaskraftwerke
Im Mittelpunkt stehen zwei mit Flüssigerdgas betriebene Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 860 Megawatt. Die Anlagen befinden sich nach Angaben der Umweltorganisationen in der Pufferzone des Nationalparks Manglares de Estero Balsa.
Guerrero beruft sich dabei auf Informationen der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB), denen zufolge der Standort des Projekts in diesem ökologisch sensiblen Gebiet festgelegt wurde.
Durch die Bauarbeiten seien etwa 575.000 Quadratmeter Mangroven und andere Küstenvegetation zerstört worden. Die Organisationen behaupten zudem, dass die gesetzlich vorgeschriebene Umweltgenehmigung nicht vorgelegt worden sei.
Die Kläger fordern außerdem die Umsetzung des Dekrets 615-26, das den Kampf gegen schwere Umweltkriminalität zu einer Angelegenheit von hohem nationalem Interesse und strategischer Priorität erklärt.
Weitere Mangrovengebiete betroffen
Nach Einschätzung von Guerrero beschränkt sich die Zerstörung von Mangroven nicht auf den Standort der Kraftwerke. Ähnliche Probleme gebe es in mehreren Küstenregionen des Landes.
Sie verwies unter anderem auf schwimmende Kraftwerksanlagen in der Pufferzone des Mangrovenschutzgebietes Los Negros in Azua.
Auch auf der Halbinsel Samaná sieht die Biologin erhebliche Gefahren. Im Gebiet El Estillero sollen Immobilienprojekte zur Schädigung von Mangrovenbeständen geführt haben.
Weitere Beispiele seien die Zerstörung von Mangroven für Verkaufsstände in Bayahíbe sowie Umweltschäden im Gebiet Bucanyé bei Cabo Rojo in der Provinz Pedernales.
Guerrero betonte die Bedeutung dieser Feuchtgebiete für die Artenvielfalt und den Schutz menschlicher Siedlungen entlang der Küste. Mangroven bieten zahlreichen Tierarten Lebensraum und tragen zum natürlichen Küstenschutz bei.
Einige der betroffenen Feuchtgebiete unterliegen nach ihren Angaben zudem dem Schutz internationaler Ramsar-Abkommen, zu deren Einhaltung sich die Dominikanische Republik verpflichtet hat.
Die Umweltorganisationen werfen den staatlichen Behörden vor, ihren gesetzlichen Schutzpflichten nicht ausreichend nachzukommen. Mit der Strafanzeige wollen sie erreichen, dass mögliche Verantwortlichkeiten für die Eingriffe in geschützte Küstenökosysteme juristisch untersucht werden.
Mangroven und ihre Bedeutung für die Natur
Mangroven schützen die Küsten vor Erosion und bieten zahlreichen Tierarten wichtige Lebensräume. Erfahren Sie mehr über diese besonderen Ökosysteme und ihre Verbreitung in der Dominikanischen Republik.
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