Als eine der tragenden Säulen der dominikanischen Wirtschaft erhält der Tourismussektor starke staatliche Unterstützung – sichtbar in verschiedenen Projekten, die als „große Zukunftswetten“ gelten. Ziel ist es, den Sektor zu diversifizieren, der stark von seiner internationalen Beliebtheit abhängt.
Zwei Beispiele – um nicht zu sagen die einzigen – sind Miches und Pedernales. Doch was wurde dort bisher konkret erreicht?
Ein neuer Bericht des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft gibt darauf eine Antwort. Der Bericht „Fortschritte in der touristischen Entwicklung von Pedernales“ hebt hervor, dass diese Region ein enormes Potenzial besitzt, um sich zum touristischen Zentrum des Südens zu entwickeln, mit einem vielseitigen Angebot für unterschiedliche Zielgruppen. Hauptattraktion bleiben die Bahía de las Águilas und das Projekt Cabo Rojo.
Dass der Tourismus weiterhin eine tragende Rolle für den Zufluss ausländischer Devisen spielt, liegt daran, dass dieser Sektor allein 2024 rund 26 Milliarden US-Dollar zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitrug – fast 20 % des gesamten BIP.
Hotels
Die Regierung führt in Pedernales einen Entwicklungsplan durch, der die touristische Expansion in Cabo Rojo mit der Stärkung der ländlichen Gemeinden, der Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen und der Schaffung lokaler Arbeitsplätze in Einklang bringen soll. Um die sogenannte „industrie ohne Schornsteine“ in Pedernales zu festigen, ist es notwendig, die Provinz mit der erforderlichen Infrastruktur, Dienstleistungszugängen und Freizeitangeboten auszustatten.
Laut Erick Dorrejo Medina, Direktor der Entwicklungsabteilung der Grenzregion im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, „verläuft das Projekt Cabo Rojo planmäßig“. Die geplante Hotelkapazität umfasst rund 4.700 Zimmer mit direkter Strandlage, und nach Abschluss des Projekts soll die gesamte Südregion etwa 12.000 Zimmer anbieten können.
In der ersten Phase sind neun Hotels vorgesehen – drei davon befinden sich bereits im Bau. Das erste Resort wird von der spanischen Hotelkette Iberostar Group betrieben, mit insgesamt 588 Zimmern und einer Eröffnung im zweiten Halbjahr 2025. Das zweite Hotel gehört zur Marke Secrets, betrieben von Hyatt Inclusive Collection, mit 507 Zimmern. Das dritte, vorläufig „H6“ genannte Hotel, wird 504 Zimmer haben, darunter 56 verteilt auf 26 exklusive Villen.
Im Kreuzfahrthafen Cabo Rojo werden 32 Schiffsanläufe mit einem geschätzten Passagieraufkommen von 133.000 Kreuzfahrern erwartet, die die natürlichen und kulturellen Attraktionen der Region kennenlernen sollen.
Nachhaltigkeit
Ein Kernstück des Entwicklungsplans ist das Programm CAHD (Conectar Asentamientos Humanos al Desarrollo), das darauf abzielt, die Lebensbedingungen in tourismusnahen Gemeinden durch Zugang zu Energie, Wasser und wirtschaftlichen Chancen zu verbessern.
„Der physische Fortschritt in Cabo Rojo ist nur ein Teil“, erklärte Dorrejo. „Es laufen auch Programme in Las Mercedes, in der Stadt Pedernales sowie an nahegelegenen Orten wie der Laguna de Oviedo und dem Lago Enriquillo.“ Der soziale Aspekt umfasst außerdem Schulungsmaßnahmen für die Bevölkerung und die Schaffung lokaler Arbeitsplätze.
Das Programm Anillos de Inclusión Social (Ringe der sozialen Eingliederung) sieht vor, dass Arbeitskräfte zuerst aus der Provinz, dann aus der Region und erst danach landesweit rekrutiert werden.
Infrastruktur und Zugang
Zu den größten Herausforderungen des Projekts zählen jedoch grundlegende Dienstleistungen wie Verkehrsanbindung, Wasserversorgung und Stromnetz. Der Bericht führt an, dass das Wasserversorgungsnetz für das Projekt Cabo Rojo–Pedernales bereits vom Instituto Nacional de Aguas Potables y Alcantarillado (INAPA) in Betrieb genommen wurde.
Auch die Kläranlage befindet sich „im Bau und in der Testphase“, mit einer geplanten Fertigstellung Anfang August 2025. Zudem wird die neue elektrische Umspannstation Cabo Rojo mit ihren zugehörigen Leitungen den Anschluss der Provinz Pedernales an das nationale Stromnetz SENI ermöglichen. Die Kosten für diese Anlage betragen 148 Millionen dominikanische Pesos; die Inbetriebnahme ist für das zweite Halbjahr 2025 vorgesehen.
Die „wichtigste Herausforderung“ bleibt jedoch die Erreichbarkeit von Pedernales. Laut dem Bericht sind die internen Straßen des Projekts in der Verantwortung des Ministeriums für öffentliche Bauten (MOPC), und deren Fertigstellung ist für das zweite Halbjahr 2025 geplant. Die Straße Enriquillo–Pedernales befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium und soll bis zum Kreuz Cabo Rojo im ersten Quartal 2026 vollständig asphaltiert sein.
Der Internationale Flughafen Cabo Rojo wird seit März 2024 von der spanischen Firma Acciona gebaut – mit einer Investition von 3,691 Milliarden Pesos. Der Flugbetrieb soll im zweiten Quartal 2026 beginnen. Die geplante Anfangskapazität liegt bei 250.000 Passagieren jährlich, mit einem Ausbaupotenzial auf eine Million innerhalb von rund 17 Jahren.
Als Übergangslösung plant die Regierung Kleinflugverbindungen zwischen Punta Cana, Santo Domingo und El Higüero nach Cabo Rojo, bis der internationale Flughafen fertiggestellt ist. „Während die Hotels im Bau sind, ist eine provisorische Flugverbindung über die bestehende kleine Landebahn in Cabo Rojo vorgesehen“, erklärte Dorrejo.
Zudem wird an einer „Agenda der Zwillingsstädte“ zwischen Pedernales (Dominikanische Republik) und Anse-à-Pitre (Haiti) gearbeitet, um zukünftig kulturellen Austausch zu ermöglichen – stets unter einer klaren Planungsstruktur.
Umweltschutz
Obwohl dieses Tourismusprojekt die Diversifizierung des Sektors fördern soll, betrifft es Regionen mit weitgehend unberührter Natur. Besonders die Region Enriquillo an der Südgrenze steht im Fokus: 51 % ihres Territoriums sind Schutzgebiete mit einzigartigen Ökosystemen, Stränden, Bergen und kulturellem Reichtum.
Um die Auswirkungen gering zu halten, wurde im Rahmen des Projekts eine Baumschule eingerichtet, die „geeignete Umweltbedingungen für die Erhaltung und Vermehrung endemischer und einheimischer Pflanzenarten“ schaffen soll. Sie kann mehr als 200.000 Setzlinge aufnehmen.
Derzeit beherbergt sie etwa 115.142 Jungpflanzen aus über 50 endemischen und einheimischen Arten sowie 1.055 Setzlinge, die aus dem Nationalen Botanischen Garten stammen – alle Teil eines fortlaufenden Wiederaufforstungs- und Schutzprogramms.
