Die laufenden Ermittlungen zur Tragödie des Jet Set Clubs belegen, dass das Gebäude bereits seit mindestens 2024 schwerwiegende Mängel am Dach aufwies. Dazu gehörten Wasserlecks, bröckelnde Deckenplatten und eine generelle bauliche Schwächung, die trotz mehrerer Hinweise nicht fachgerecht behoben wurden.
Laut der Staatsanwaltschaft waren die Hauptverantwortlichen, Antonio Espaillat López und Maribel Espaillat, über den Zustand informiert, doch ergriffen sie keine angemessenen Maßnahmen, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten.
Unqualifizierte Reparaturen und gefährliche Überlastung
Die Mängel wurden immer wieder nur notdürftig durch den Hauswart Manuel Jiménez Mateo behoben, der in der Medienfirma RCC Media, geleitet von Espaillat López, tätig war. Zusammen mit nicht fachkundigem Personal – darunter José Luis García sowie zwei haitianische Arbeiter mit den Spitznamen „Caballito“ und „El Grande“ – wurden Deckenteile ausgetauscht, Lecks mit Zement, Asphaltplanen und improvisierten Auffangsystemen notdürftig repariert.
Erschwerend kam hinzu, dass schwere Klimaanlagen (15–20 Tonnen) auf dem Dach installiert wurden – ohne statische Prüfung. Dies geschah ebenfalls unter Anweisung von Antonio Espaillat López, ohne dass überprüft wurde, ob die Dachstruktur diese Last überhaupt tragen konnte.
Systematisches Versagen und Missachtung von Warnungen
Die Ermittlungen zeigen, dass zahlreiche Hinweise auf drohende Gefahren ignoriert wurden:
- Bereits am 5. April 2025 war es zum Herabfallen von Deckenplatten gekommen.
- Am 7. April, dem Vortag der Katastrophe, berichtete Gregorio Adames Arias, Mitarbeiter des Clubs, erneut über herabfallende Deckenteile und alarmierte Antonio Espaillat.
- Trotz dieser Warnungen wurde der geplante Auftritt von Rubby Pérez am Abend nicht abgesagt.
- Stattdessen wurden erneut nur mangelhafte Notfallreparaturen vorgenommen.
- Am selben Abend gegen 23:40 Uhr fiel eine Deckenplatte auf einen Gast – trotzdem ließ Maribel Espaillat, die an diesem Abend die Verantwortung trug, die Veranstaltung weiterlaufen.
Die Katastrophe
Am 8. April 2025 um 0:44 Uhr, während der Aufführung von Rubby Pérez und seiner Band, stürzte das Dach ein. Hunderte Gäste, Angestellte und Musiker befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Inneren.
Die Folgen:
- 235 Tote
- Über 180 Verletzte
Technische Ursache: Überlastung und Konstruktionsversagen
Laut Sachverständigengutachten kam es zu einem Versagen der tragenden Konstruktion, insbesondere der postgespannten Querträger in den Achsen H und J, infolge einer kritischen Überlastung. Ursache war eine Kombination aus:
- vier Schichten feinkörniger Materialien (37,5 cm dick),
- schweren Klimaanlagen,
- Wasserspeichern (Tinacos) und
- dem Eigengewicht der Decke.
Dies führte zu einem Verlust an struktureller Steifigkeit, übermäßigen Verformungen und letztlich zum katastrophalen Versagen der Dachkonstruktion.
Fazit
Die Staatsanwaltschaft macht deutlich, dass vorsätzliche Fahrlässigkeit und wirtschaftliche Interessen über die Sicherheit gestellt wurden. Antonio und Maribel Espaillat hätten mehrfach die Möglichkeit gehabt, mit professioneller Hilfe die Mängel zu beheben. Stattdessen wählten sie kostengünstige und unzureichende Lösungen, die zur größten Gebäudekatastrophe in der jüngeren Geschichte der Dominikanischen Republik führten.
