Illegaler Sand- und Schotterabbau

Flut von Beschwerden in Baní wegen fortschreitender Zerstörung des Flusses Nizao

Lesedauer: 3 Min.

Schotterunternehmen und Umweltfrevler agieren weiterhin im Flussbett des Nizao-Flusses und vernichten ihn Stück für Stück – als ob es in der Dominikanischen Republik keine Umweltgesetze gäbe.

Diese Kritik äußerte am Donnerstag eine große Delegation der Partei der Dominikanischen Befreiung (PLD), die ein von illegalem Sand- und Schotterabbau betroffenes Gebiet besuchte.

Die Aussagen der PLD decken sich mit den jüngsten Äußerungen von Faustino Burgos Brisman, Bischof der Diözese Baní, Ocoa und San Cristóbal, sowie mit den Klagen von Jesús Marte, dem Gemeindevorsteher von Las Barías, über denselben ökologischen Schaden am Fluss Nizao.

Zum Weltumwelttag reiste eine Kommission der PLD unter Leitung des Generalsekretärs Johnny Pujols und des Umweltbeauftragten Alfonso Ureña in die Gegend „La Neverita“, ein beliebter Badeort nördlich des Flusses.

Manifest der Anklage

Vor Ort verlas die Delegation ein Manifest, das erneut den „irreversiblen Schaden“ anprangert, den Schotterwerke und unzählige Kipplaster verursachen, die täglich direkt ins Flussbett fahren – „vor den Augen der zuständigen Behörden, die untätig bleiben“, so die Erklärung.

Der Fluss Nizao sei ein Symbol des Lebens, „aber auch ein stiller Zeuge des Missbrauchs und der Vernachlässigung unserer natürlichen Ressourcen“, heißt es weiter.

Im fünften Jahr unter der aktuellen Regierung, so die PLD, sei zum Weltumwelttag vor allem eines sichtbar: der ungebremste, illegale Abbau von Sand und Kies – mitten am Tag.

Verändertes Flussbett

Das Manifest, vorgetragen von Generalsekretär Pujols, beschreibt, wie schwere Maschinen das Flussbett verändert haben und die Wassermassen nur noch in ausgehobenen Gräben verlaufen. Betroffene Gemeinden verlieren dabei den Zugang zu ihrem wichtigsten Gut: Wasser.

„Vor den Augen aller Anwohner setzen die Schotterunternehmen und Umweltfrevler ihr zerstörerisches Werk fort – als gäbe es kein Gesetz“, so der Vorwurf.

An der Erklärung nahmen auch weitere Parteimitglieder teil, darunter Zorayma Cuello, Vizepräsidentin der PLD, Senator Iván Lorenzo, die Mitglieder des Politischen Komitees Diego Aquino und Julio César Díaz sowie viele Anwohner.

Angesichts der Situation fragt das Manifest: Wo ist der Staat?

Unverständlich sei, so die PLD, dass ein Fluss mit einem Einzugsgebiet von über 1.000 Quadratkilometern, der über 1,7 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt – darunter 40 % der Bevölkerung von Groß-Santo Domingo – auf diese Weise ausgebeutet werde, ohne dass die Regierung eingreife.

Bewässerung und Energieerzeugung

Jesús Marte, Gemeindevorsteher von Las Barías, betonte kürzlich in einem Lokalfernsehen die Bedeutung des Flusses für die Bewässerung von rund 14.000 Hektar Ackerland in Peravia und San Cristóbal.

Außerdem speichert der Fluss mehr als 340 Millionen Kubikmeter Wasser in seinen Stauseen, was es ermöglicht, rund 202 Megawatt erneuerbare Energie zu erzeugen.

Doch durch die ständige Ausbeutung des Flussbetts, so Marte, sei der Fluss in seinem Bestand bedroht – ebenso wie seine Gemeinde, die in den letzten Jahren bereits rund 2.000 tareas (ca. 125 Hektar) landwirtschaftlicher Fläche verloren habe.

Ausbeutung mit Duldung

Die PLD betont, dass trotz dieser offensichtlichen Zerstörung weder staatliche Stellen noch das Umweltministerium eingreifen. Selbst im Quellgebiet in Rancho Arriba (San José de Ocoa) gebe es Berichte über illegale Entnahmen.

Scharfe Kritik des Bischofs

Auch Bischof Faustino Burgos Brisman kritisierte die massiven Eingriffe in das Flussbett und den täglichen Abtransport von Sand und Kies durch Bauunternehmen aufs Schärfste.

Er bezeichnete diese Praktiken als regelrechte Umweltverbrechen, die die Existenz des Flusses gefährden – eines Gewässers, das tausende Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche im Süden des Landes versorgt.

In einer ausführlichen Stellungnahme verurteilte der Bischof das Schweigen des Umweltministeriums, das trotz aller Hinweise die Augen verschließe. Besonders schmerzhaft sei für ihn der Anblick der schwer beladenen Laster mit tropfnasser Sandladung – frisch aus dem Flussbett des Nizao – auf dem Weg in die Hauptstadt.