Experten warnen jedoch

Freigabe von Mindestreserven erfolgt wegen geringer Nachfrage in der Wirtschaft

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Der Ökonom Nassim José Alemany erklärte, dass die jüngste Entscheidung der Junta Monetaria, erneut Mittel aus den gesetzlich vorgeschriebenen Bankenreserven (Encaje Legal) für produktive Sektoren freizugeben, ein Zeichen für die schwache Nachfrage in der dominikanischen Wirtschaft sei. Diese Maßnahme diene der wirtschaftlichen Belebung, stelle aber angesichts des derzeitigen lokalen und internationalen Umfelds ein zweischneidiges Schwert dar.

Angesichts eines Rückgangs der wirtschaftlichen Aktivität und einer langsamen Ausführung öffentlicher Ausgaben sei es laut Alemany zu erwarten gewesen, dass die Zentralbank (BCRD) erneut auf Liquiditätserleichterungen setzt. Er äußerte jedoch Zweifel an der Wirksamkeit dieser Maßnahmen in einem Kontext schwacher Nachfrage und internationaler Unsicherheit.

„Ich glaube, dass es mehr Umschuldungen und Kreditverlängerungen (‘rollover’) als neue Kredite zu einem Zinssatz von 9 % geben wird“, sagte Alemany.
Die Zinssenkungen der Politischen Leitzinsen (TPM) seien bisher nicht auf den Kreditmarkt durchgeschlagen – mit Folgen: Die Kreditvergabe ist gehemmt, und die Zahlungsausfälle (Kreditrückstände) haben sich im Jahresvergleich bis April 2025 um 44 % erhöht.

Kritik an der Systematik

Alemany beklagte, dass die Freigabe von Reserven mittlerweile zur Gewohnheit geworden sei. Zwar solle die Maßnahme die Wirtschaft stimulieren, ihre tatsächliche Wirksamkeit sei jedoch ungewiss.

Details der Freigabe

Am Montag gab die Zentralbank bekannt, dass die Junta Monetaria die Freigabe von 50 Milliarden RD$ autorisiert hat – dies entspricht 2,4 % der passivseitigen Verbindlichkeiten, die dem Encaje unterliegen. Zusammen mit weiteren 17 Milliarden RD$, die in den nächsten sechs Monaten fällig werden, sowie 14 Milliarden RD$ aus früheren Maßnahmen, steht nun ein Gesamtbetrag von 81 Milliarden RD$ zur Verfügung, um die Wirtschaft zu beleben.

Diese Mittel sollen zu maximal 9 % Jahreszins und einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren für produktive Sektoren bereitgestellt werden – darunter Bauwesen, Industrie, Export, Landwirtschaft sowie Mikro-, kleine und mittlere Unternehmen (MIPYMEs).

Geteilte Reaktionen

Während die Maßnahme von vielen Sektoren grundsätzlich begrüßt wird, um das Wirtschaftswachstum und die Kreditvergabe zu fördern, bleibt die Sorge, dass die strukturellen Probleme damit nicht gelöst werden.

Laut jüngsten Umfragen und Projektionen der Zentralbank wird das Wirtschaftswachstum 2025 voraussichtlich unter 4 % liegen – ein Prozentpunkt weniger als zuvor prognostiziert.

Auch die Sekretariatsstelle des Zentralamerikanischen Währungsrates (Secmca) schätzt in ihrem aktuellen Makroökonomischen Panorama 2025–2029 ein Wachstum zwischen 3,0 % und 4,0 %, mit einem zentralen Wert von 3,5 % – ein Rückgang gegenüber den März-Prognosen.

Prognose für 2026: Ein robusterer privater Konsum wird erwartet, was ein Wachstum von 4,0 % bis 5,0 % nahelegt.

Externe Unsicherheiten belasten zusätzlich

Das Ministerium für Wirtschaft, Planung und Entwicklung (Mepyd) sieht in seinem Bericht die anhaltende globale Unsicherheit – insbesondere den Handelskonflikt zwischen den USA und China – als Bremse für weltweites Wachstum und Investitionsentscheidungen.

Zukünftige Zinssenkungen in Sicht

Ein Bericht der Zentralbank aus Mai 2025 zeigt:

  • Die Tasa de Política Monetaria (TPM) soll bis Mai 2026 auf 5,45 % und bis Mai 2027 auf 5,0 % sinken.

Daten zur Finanzstabilität (April 2025):

  • Finanzvermögen: RD$3,869,198 Millionen
  • Kreditportfolio: RD$2,227,854 Millionen
  • Solvenzquote: 18,31 % (deutlich über internationalen Standards)
  • Zahlungsverzug: 1,79 %

Durchschnittszinsen im Finanzsystem:

  • Handelszinsen: 12,2 %
  • Konsumkredite: 19,2 %
  • Hypothekenkredite: 11,4 %
  • Kreditkarten (monatlich): 58,1 %

Aktuelle Zinssätze:

  • Referenzzins BCRD: 5,75 % jährlich
  • Interbankenzins: 13,9 %
  • Aktiver Bankzinssatz: 14,99 %
  • Effektiver Aktiver Zinssatz: 9,63 %

Fazit:
Die dominikanische Zentralbank setzt mit der erneuten Freigabe von Liquidität auf kurzfristige Stimulierung. Experten warnen jedoch, dass ohne tiefere Strukturreformen und eine wirksame Übertragung geldpolitischer Impulse auf den realen Kreditmarkt die Wirkung begrenzt bleibt.