Im Großraum Santo Domingo wächst die Zahl von Werbetafeln, LED-Bildschirmen und digitalen Werbeflächen deutlich. Kommerzielle Anzeigen und staatliche Kommunikation prägen Straßen, öffentliche Räume und selbst Metrostationen. Kampagnen zur Verkehrssicherheit, zum Umweltschutz oder zur gesellschaftlichen Aufklärung sind dagegen nach Beobachtungen der Zeitung El Nacional kaum sichtbar.
Für eine Reportage untersuchte das Medium über mehrere Tage Außenwerbung sowie Inhalte in Fernsehen, Radio und digitalen Medien. Dabei seien nur wenige Botschaften gefunden worden, die sich mit Bürgerbildung, Unfallprävention, Umweltschutz oder anderen gesellschaftlichen Themen beschäftigen.
Gleichzeitig sind die staatlichen Ausgaben für Werbung und Kommunikation erheblich gestiegen. Nach Daten der dominikanischen Haushaltsbehörde erhöhten sich die entsprechenden Ausgaben von 3,393 Milliarden Pesos im Jahr 2021 auf mehr als 9 Milliarden Pesos im Jahr 2024. Für den jüngsten Haushalt werden konsolidierte Mittel zwischen rund sieben und zehn Milliarden Pesos genannt. Darin enthalten sind sowohl Ausgaben der Zentralregierung als auch Kommunikationsbudgets von Ministerien und staatlichen Unternehmen.
Der Bericht kritisiert insbesondere das Verhältnis zwischen institutioneller Werbung und Kampagnen mit gesellschaftlichem Nutzen. Präventionsmaßnahmen gegen Verkehrsunfälle, häusliche Gewalt oder Umweltverschmutzung seien in der beobachteten Werbung nur selten vertreten.
Frühere Kampagnen blieben im Gedächtnis
Dabei haben öffentliche Informationskampagnen in der Dominikanischen Republik eine lange Tradition. Vor allem in den 1980er- und 1990er-Jahren wurden über Radio und Fernsehen regelmäßig Botschaften zu Wassersparen, Impfungen, Dengue-Prävention, Umweltschutz und Verkehrssicherheit verbreitet.
Bekannte Kampagnen erinnerten etwa daran, Wasser nicht zu verschwenden, Bäume zu pflanzen, nicht benötigte Lampen auszuschalten oder nach Alkoholkonsum nicht Auto zu fahren.
Der Soziologe und Kulturwissenschaftler Carlos Andújar sieht heute eine Lücke in der öffentlichen Kommunikation. Es fehlten positive Botschaften, die zur Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein und gesellschaftlichem Zusammenleben beitragen könnten.
Andújar fordert deshalb, staatliche Kommunikationsmittel stärker auch für praktische Themen des Alltags einzusetzen – beispielsweise für Müllentsorgung, Verkehrssicherheit und respektvolles Zusammenleben. Er schlägt außerdem eine zentrale Fachstelle vor, die solche Kampagnen koordiniert.
Die Beobachtungen des Berichts beruhen auf einem journalistischen Monitoring und Einschätzungen befragter Fachleute. Eine umfassende statistische Erfassung des Anteils von Bildungs- und Präventionskampagnen an der gesamten Werbung liegt darin nicht vor.
