Verletzte Wale in Samaná

Verletzte Buckelwale und illegale Netze in Samaná verschärfen Debatte über Schutz im Meeresschutzgebiet

Lesedauer: 6 Min.

In der Walsaison 2026 in der Bucht von Samaná haben mehrere Vorfälle erneut Zweifel an der Wirksamkeit der Kontrollen im wichtigsten Meeresschutzgebiet der Dominikanischen Republik aufgeworfen. Dokumentiert wurden verletzte Walbabys, unerlaubte Annäherungen von Booten sowie Hinweise auf illegale Fischerei und nicht genehmigte Aktivitäten im Wasser und in der Luft.

Mehrere in dieser Saison registrierte Fälle deuten auf unterschiedliche Formen menschlicher Einwirkung auf die Tiere hin. Der Anbieter Whale Samaná veröffentlichte auf Facebook Aufnahmen von Walbabys mit klar erkennbaren Verletzungen. In einem am 20. März gemeldeten Fall zeigte ein Kalb parallele lineare Schnitte im oberen Körperbereich, ein Muster, das mit einem Kontakt mit Bootspropellern vereinbar ist.

Bereits am 11. März hatte derselbe Betreiber ein weiteres Walbaby mit unregelmäßigen Verletzungen im Schwanzbereich dokumentiert. Diese könnten auf ein Verfangen in Netzen oder auf längere Reibung mit Seilen oder Fischernetzen hindeuten.

Ein unabhängiges Feldmonitoring zeigt zudem, wie schnell solche Verletzungen entstehen können. Demnach wurde am 17. März ein Waljunges gemeinsam mit seiner Mutter ohne sichtbare Verletzungen beobachtet. Zwei Tage später wurde dasselbe Tier in derselben Zone nahe Cayo Levantado mit frischen Wunden gesichtet.

Nach vorliegenden Informationen hielten sich Mutter und Kalb mehrere Tage in einem Gebiet mit starkem Schiffsverkehr auf. Dort kreuzen tagsüber und nachts Transportboote, Fischerboote und touristische Ausflugsboote, was das Risiko von Zusammenstößen und anderen Zwischenfällen erhöht.

Mehrere Zwischenfälle in kurzer Zeit

Nach Angaben aus dem Umfeld der Saisonbeobachtung meldete eine Technikern von Fundemar außerdem einen Vorfall, bei dem sich ein Boot mit Touristen einer Mutter mit Kalb stärker als erlaubt näherte und eines der Tiere sogar berührte. Der Fall wurde dem Umweltministerium gemeldet.

In der Gesamtschau sprechen die dokumentierten Fälle nach Einschätzung der beteiligten Beobachter nicht für ein Einzelereignis, sondern für ein Muster mehrerer problematischer Interaktionen in kurzer Zeit und im selben intensiv genutzten Gebiet. Dazu zählen sowohl Kollisionen mit Booten als auch mögliche Verhedderungen in Netzen.

Eine anonyme lokale Quelle sagte gegenüber Diario Libre, dass in dieser Saison mindestens drei Walbabys mit frischen und erheblichen Verletzungen registriert worden seien. Dieselbe Quelle erklärte zudem, dass weiterhin Netze in der für den Fischfang gesperrten Zone ausgeworfen würden, was die Meeresfauna des Schutzgebiets zusätzlich gefährde.

Illegale Netze und bekannte Risiken

Die Problematik beschränkt sich nicht auf Kollisionen. Bereits im Februar war im Nationalpark Los Haitises ein toter Delfin entdeckt worden, der sich in einem Fischernetz verfangen hatte. Der Fall machte erneut auf die Risiken solcher Fangmethoden für Meeressäuger aufmerksam.

Der Vizeminister für Schutzgebiete, Carlos Batista, bestätigte, dass während der Saison Netze beschlagnahmt wurden, die ohne Genehmigung innerhalb des Schutzgebiets eingesetzt worden waren. Damit seien Vorgaben des Managementplans verletzt worden, der diese Art der Fischerei während der Anwesenheit der Wale einschränkt.

Nach Angaben aus der Umweltbewegung in Samaná und laut Bestätigung des Umweltministeriums gegenüber Diario Libre wurde allerdings eines der beschlagnahmten Netze nach Intervention der Gouverneurin von Samaná, Teodora Mullix Geraldino, wieder zurückgegeben.

Batista äußerte sich außerdem zu einem Fall einer Walmutter, deren hintere Flosse mit einem Seil oder Netzteil verheddert war. Nach seinen Angaben entspricht dieses Fanggerät nicht den in dominikanischen Gewässern üblichen Netzen. Daher werde nicht ausgeschlossen, dass das Tier die Leine oder das Netz außerhalb des Landes aufgenommen und bis in das Gebiet mitgeschleppt habe.

Unerlaubte Aktivitäten bei Walbeobachtung

Neben den direkten physischen Gefahren sorgen auch nicht genehmigte touristische Angebote für Kritik. Quellen zufolge sollen Boote ohne Erlaubnis oder mit informellen Tourangeboten von Orten wie Samaná, Miches und Sabana de la Mar aus starten, um sich Walen außerhalb der zugelassenen Routen zu nähern.

Zudem seien Angebote für Ausflüge zum Schwimmen mit Walen in der Bucht von Samaná festgestellt worden, unter anderem ab Las Galeras. Diese Aktivität ist dort verboten. Das Schwimmen mit Walen ist nur auf der Banco de la Plata erlaubt und auch dort nur mit speziellen Genehmigungen und unter strengen Auflagen.

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Kontakt

Hinzu kommt der wiederholte Einsatz nicht genehmigter Drohnen. In sozialen Netzwerken verbreitete Videos zeigen mehrfach Luftaufnahmen von Walen aus geringer Distanz. Bereits in der vergangenen Saison hatte das Medium nach eigenen Angaben mindestens einen Fall eines illegalen Drohnenflugs dokumentiert. In einer aktuellen Aufnahme ist sogar eine Mutter mit Kalb zu sehen, wobei das erwachsene Tier Teile eines Fischernetzes an einer Flosse trägt.

Behörden sehen Handlungsbedarf

Aus dem Co-Management des Schutzgebiets erklärte Fundemar-Direktorin Rita Sellares, dass es in dieser Saison mehrere Verstöße gegen die bestehenden Regeln gegeben habe. Sie forderte stärkere Sanktionen.

Auch Vizeminister Batista räumte ein, dass die Aktivität unter erheblichem Druck stehe. Zugleich verwies er auf einen in dieser Saison eingeführten Pilotplan mit der Plattform Earth Ranger. Dabei wurden freiwillig GPS-Geräte auf lizenzierten Walbeobachtungsbooten installiert, um deren Fahrten im Schutzgebiet in Echtzeit zu überwachen und nachzuverfolgen.

Das System ermöglicht nach Angaben des Ministeriums auch die georeferenzierte Erfassung von Sichtungspunkten und die Weiterleitung von Zwischenfallmeldungen. Dadurch sollen Reaktionen zwischen Umweltministerium und dominikanischer Marine besser koordiniert werden.

Trotz bestehender Vorschriften, Sanktionsmöglichkeiten und neuer Überwachungstechnik zeigen die Vorfälle der Saison 2026 nach Einschätzung der Beteiligten weiterhin deutliche Lücken in der Aufsicht über eine ökologisch sensible und wirtschaftlich bedeutende Aktivität.

Bedeutendes Schutzgebiet für Natur und Region

Die Bucht von Samaná ist Teil des Schutzgebiets Santuario de Mamíferos Marinos Bancos de La Plata y La Navidad. Es zählt zu den wichtigsten Fortpflanzungsgebieten der Buckelwale weltweit. Jedes Jahr zwischen Januar und März kommen Hunderte Tiere in diese Gewässer, um sich zu paaren und ihre Jungen zur Welt zu bringen.

Die Saison zieht zugleich Tausende Besucher an und ist für Samaná eine der wichtigsten ecotouristischen Aktivitäten. Genau diese Verbindung von Biodiversität und lokaler Wirtschaft macht die wirksame Kontrolle des Schutzgebiets besonders relevant.

Mehr zur Bedeutung der Buckelwale für die Region finden Sie hier.

Buckelwale in der Dominikanischen Republik

Jedes Jahr kommen Buckelwale in die Gewässer vor der Dominikanischen Republik, um sich zu paaren und ihre Jungen zur Welt zu bringen. Die Region gehört zu den wichtigsten Fortpflanzungsgebieten dieser Art weltweit.
Im DomRep Guide erfahren Sie mehr über Verhalten, Lebensraum und die Bedeutung der Wale für Natur und Tourismus.

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