Mitten im Distrito Nacional lebt die ältere Altagracia Rodríguez seit längerer Zeit auf der Straße. An der Kreuzung Correa y Cidrón und Wenceslao Álvarez in der Zona Universitaria hat sie sich aus Karton und Holz eine provisorische Unterkunft gebaut.
Rodríguez stammt nach eigenen Angaben aus der Provinz Dajabón im Nordwesten der Dominikanischen Republik. Ihr Alltag ist geprägt von Verkehrslärm, fehlender Sicherheit und der Schwierigkeit, sich regelmäßig mit Lebensmitteln zu versorgen.
In einem Gespräch mit dem Fotografen Guillermo Burgos schilderte sie ihre Situation. Demnach erhält sie gelegentlich Unterstützung von Anwohnern der Zona Universitaria, die ihr Essen bringen, da sie in ihrer provisorischen Unterkunft keine Möglichkeit zum Kochen hat.
Auch Beamte der Policía Nacional würden sie nach ihren Angaben nicht gewaltsam von ihrem Aufenthaltsort entfernen. Stattdessen hätten einzelne Polizisten ihr gelegentlich Lebensmittel gebracht.
Rodríguez erklärte außerdem, sie habe in ihrer Jugend an der Universidad Autónoma de Santo Domingo (UASD) studiert – nur wenige Straßen von dem Ort entfernt, an dem sie heute lebt.
Besonders belastend sei für sie die Distanz zu ihrer Familie. Sie berichtet, Kinder zu haben, von denen sie sich Unterstützung und eine Rückkehr in ihr Leben erhofft. Ihr größter Wunsch sei ein festes Dach über dem Kopf und ein sicherer Ort, an dem sie ihre letzten Lebensjahre verbringen könne.
Der Fall macht zugleich auf ein breiteres gesellschaftliches Problem aufmerksam: Auch in der Dominikanischen Republik leben Menschen dauerhaft oder zeitweise ohne feste Unterkunft und sind auf Unterstützung aus ihrem Umfeld angewiesen.
Weitere Meldungen zu sozialen Fragen und dem Alltag in der Dominikanischen Republik finden Sie im Ressort Leben und Gesellschaft.
