Was einst als Symbol für Fortschritt, Sicherheit und Lebensqualität in Santo Domingo Este angekündigt wurde, ist heute für viele Bewohner von Ciudad Juan Bosch nur noch eine bittere Enttäuschung. Die Versprechen eines modernen Wohnprojekts mit grundlegender Infrastruktur und sozialen Diensten haben sich laut den Aussagen zahlreicher Anwohner in Frustration, Unsicherheit und Vernachlässigung aufgelöst.
Verunreinigtes Wasser: Ein tägliches Gesundheitsrisiko
Seit Jahren beklagen die Bewohner die schlechte Qualität des Leitungswassers. Trübung, Schlammrückstände, unangenehmer Geruch und Hautreizungen sind an der Tagesordnung. Ignacia Gutiérrez berichtet: „Das Wasser wird jeden Tag schmutziger. Man kann sich damit nicht waschen – es kann Hautkrankheiten verursachen.“ Auch Patria Moreta bestätigt, dass das Wasser manchmal komplett ausfällt und dann noch stärker verunreinigt zurückkommt. Die Beschwerden an die Wasserbehörde CAASD bleiben unbeantwortet.
Zusammenbruch der Sicherheit
Einst ein Modell für polizeiliche Überwachung mit Fahrradeinheiten, Drohnen, Luftunterstützung und Patrouillenwagen, sei heute kaum noch Polizeipräsenz zu spüren, sagen die Bewohner. José Moreno, ein ehemaliger Anwohner, erklärt: „Früher patrouillierten sie alle zehn Minuten. Heute fühlt man sich völlig im Stich gelassen.“ Die Folge: wachsendes Unsicherheitsgefühl und Wegzug vieler Familien.
Stromausfälle trotz Versprechen auf „Energie 24/7“
Stromversorgung war eines der großen Versprechen bei der Entstehung von Ciudad Juan Bosch. Heute berichten Bewohner von täglichen Stromausfällen über sechs Stunden, gepaart mit überhöhten Stromrechnungen. Maribel Rodríguez äußert ihren Ärger: „Ich bin hierher gezogen, um durchgehend Strom zu haben. Jetzt ist es schlimmer als vorher – die Stromversorgung gleicht einem flackernden Weihnachtsbaum.“
Digitale Isolation durch fehlende Netzabdeckung
Auch in puncto Telekommunikation herrscht Frustration: Telefon- und Internetsignale sind so schwach, dass Anwohner sich ans Fenster oder auf den Balkon begeben müssen, um überhaupt Empfang zu haben. Mónica Valdez schildert, dass sie sich nicht einmal in ihrem Schlafzimmer aufhalten könne, um das Handy zu benutzen.
Verkehrskollaps: Mangelhafte Anbindung trotz öffentlicher Busse
Das städtische Transportsystem, betrieben von der OMSA, leidet unter chronischem Mangel: lange Wartezeiten, überfüllte und marode Busse mit verschmutzten oder beschädigten Sitzen, ohne Klimaanlage oder funktionierende Fenster. Rubén Mateo beschreibt, wie er jeden Morgen bis zu einer Stunde auf den Bus zur Arbeit warten muss – besonders zur Stoßzeit.
Die Realität in Ciudad Juan Bosch steht im krassen Gegensatz zu den ursprünglichen Zielen eines modernen, würdevollen Lebensraums für mehr als 32.000 Menschen. Die anhaltenden Probleme mit Wasser, Strom, Sicherheit, Kommunikation und Transport belasten die Bewohner physisch und emotional. Trotz wiederholter Beschwerden bleibt die Reaktion der zuständigen Behörden aus, was das Vertrauen in das staatlich geförderte Wohnprojekt stark untergräbt. Für viele ist Ciudad Juan Bosch heute ein Sinnbild gescheiterter Versprechen und staatlicher Vernachlässigung.
