Motorräder gehören seit Jahren zu den wichtigsten Verkehrsmitteln in der Dominikanischen Republik. Nach Angaben der Dirección General de Impuestos Internos (DGII) waren im Dezember 2025 insgesamt 3.846.694 Motorräder registriert.
Damit machten Motorräder 57,9 Prozent des gesamten Fahrzeugbestands aus. Insgesamt waren bei der DGII 6.640.871 Fahrzeuge registriert.
Setzt man diese Zahl ins Verhältnis zur erwachsenen Bevölkerung, wird die Bedeutung besonders deutlich. Nach Angaben der Junta Central Electoral (JCE) umfasste das lokale Wählerverzeichnis für die Präsidentschafts- und Kongresswahlen 2024 insgesamt 7.281.763 Personen. Dominikaner im Ausland sind dabei nicht eingerechnet.
Rein rechnerisch kommt damit etwa ein Motorrad auf zwei erwachsene Einwohner im Land.
Der starke Anteil von Motorrädern hängt eng mit wirtschaftlichen und strukturellen Faktoren zusammen. Für viele Menschen sind sie deutlich erschwinglicher als Autos. Sie kosten weniger in der Anschaffung, verbrauchen weniger Kraftstoff und lassen sich oft einfacher finanzieren.
Hinzu kommt ihre Bedeutung als Arbeitsmittel. Motorräder werden im Motoconcho-Verkehr, für Lieferdienste und viele informelle Tätigkeiten eingesetzt.
Nach Angaben der Asociación de Concesionarios de Fabricantes de Motocicletas (Afamoto) spielen Motorräder besonders in Haushalten mit niedrigeren Einkommen eine wichtige Rolle für die Mobilität. Sie sind dort nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern oft Voraussetzung für Erwerbsarbeit.
Laut Afamoto sind 60 Prozent der Motoconcho-Fahrer Haushaltsvorstände. Zudem finanziert der Sektor jährlich mehr als 125.000 Menschen beim Erwerb eines Motorrads.
Diese Entwicklung zeigt jedoch eine deutliche Kehrseite. Motorräder sind einerseits eine Mobilitätslösung und Einkommensquelle. Andererseits zählen sie zu den größten Risikofaktoren im Straßenverkehr.
Nach Zahlen des Observatorio Permanente de Seguridad Vial (Opsevi) des Instituto Nacional de Tránsito y Transporte Terrestre (Intrant) starben im Jahr 2025 rund 2.018 Menschen bei Verkehrsunfällen mit Motorrädern und Autos.
Zwischen Januar und April 2026 wurden bereits 678 Verkehrstote registriert. Das zeigt, dass das Problem weiterhin gravierend ist.
Nach Angaben der Oficina Nacional de Estadística (ONE) verzeichnete die Dominikanische Republik zwischen 2020 und 2024 im Durchschnitt 1.728 Verkehrsunfälle pro Jahr, bei denen Menschen direkt am Unfallort starben.
Allein 2024 entfielen 70,48 Prozent der Verkehrstoten auf Motorradfahrer. Damit lag diese Gruppe deutlich über allen anderen Verkehrsteilnehmern.
Besonders betroffen sind regelmäßig der Großraum Santo Domingo, San Cristóbal, La Altagracia, La Vega, Santiago und Puerto Plata.
Die Folgen sind nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich schwerwiegend. Etwa zwei Drittel der Opfer sind Motorradnutzer, überwiegend junge Männer zwischen 15 und 29 Jahren.
Für Familien bedeutet ein schwerer Unfall oft den Verlust eines Einkommens, hohe medizinische Kosten oder langfristige Pflegebelastungen. Für Staat und Gesellschaft entstehen zusätzliche Kosten durch Gesundheitsversorgung, Entschädigungen, Sachschäden und Produktivitätsverluste.
Der wirtschaftliche Schaden durch Verkehrsunfälle wird auf rund 2,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt.
Vor diesem Hintergrund haben Institutionen wie Intrant und die Escuela Nacional de Educación Vial (Enevial) Programme zur Verkehrserziehung ausgebaut.
Zwischen 2024 und 2025 wurden mehr als 150.000 Bürger in Verkehrssicherheit geschult. Dazu gehörten Autofahrer, Motorradfahrer und Schüler.
Ziel dieser Maßnahmen ist es, Kenntnisse über Verkehrsregeln zu verbessern und eine Kultur des Respekts im Straßenverkehr zu fördern.
Trotzdem bleibt die Wirkung begrenzt. Die hohe Zahl der Unfälle zeigt, dass Schulungen allein nicht ausreichen, solange Regeln im Alltag zu wenig beachtet und kontrolliert werden.
Die Dominikanische Republik steht damit vor einer doppelten Herausforderung. Motorräder sind für Millionen Menschen unverzichtbar, gleichzeitig verursachen sie einen erheblichen Teil der Verkehrstoten.
Eine nachhaltige Lösung muss Mobilität bezahlbar halten, aber Sicherheit stärker durchsetzen. Dazu gehören bessere Ausbildung, konsequentere Kontrollen, Helmnutzung, klare Regeln für Motoconchos und eine Verkehrsinfrastruktur, die Motorräder als Realität des Landes berücksichtigt.

