Im sogenannten Fall Caimán wirft die dominikanische Staatsanwaltschaft einem transnationalen Netzwerk vor, über die südlichen Küsten der Dominikanischen Republik große Mengen Kokain aus Kolumbien eingeschleust und anschließend für den Weitertransport vorbereitet zu haben. Nach Angaben der Ermittler soll die Struktur zeitweise rund 28 Tonnen Kokain pro Jahr bewegt haben.
Umgerechnet entspräche dies durchschnittlich etwa 2.333 Kilogramm pro Monat beziehungsweise rund 77 Kilogramm pro Tag. Dabei handelt es sich um Berechnungen auf Grundlage der von der Staatsanwaltschaft genannten Jahresmenge, nicht um einzeln dokumentierte tägliche Transporte.
Nach Darstellung des Ministerio Público war das Netzwerk von Dezember 2021 bis April 2024 aktiv. Würde der genannte Jahresdurchschnitt auf diesen gesamten Zeitraum übertragen, ergäbe sich rechnerisch eine Menge von etwa 65 Tonnen. Diese Hochrechnung ist jedoch keine offiziell bestätigte Gesamtmenge.
Schnelle Boote aus Kolumbien
Die Staatsanwaltschaft geht von insgesamt sechs kriminellen Strukturen mit etwa 37 untersuchten Personen aus.
Das mutmaßliche Transportsystem soll auf schnellen, häufig als „Go Fast“ bezeichneten Booten basiert haben. Diese seien von der Dominikanischen Republik in Richtung der kolumbianischen Regionen La Guajira und Alta Guajira gefahren, hätten dort Kokain übernommen und seien anschließend über das Karibische Meer zurückgekehrt.
Als wichtigste Anlandepunkte nennt die Anklage die Küsten der Provinzen Peravia, Barahona und Pedernales. Von dort aus sei die Droge für weitere Transporte in Richtung USA, Puerto Rico und Europa vorbereitet worden.
Den verschiedenen Beteiligten werden Aufgaben in Planung, Transport, Logistik, Lagerung und Durchführung der Seetransporte zugeschrieben.
Ermittler sprechen von „Narcofamilias“
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren einige Gruppen innerhalb des Netzwerks familiär organisiert. Die Ermittler bezeichnen einzelne Strukturen unter anderem als „Los Santa“, „Los Pescadores“ und „Los Ciguillos“.
Zu den Beschuldigten gehört Carlos Manuel Cuevas Pérez, der nach dem vorliegenden Bericht inzwischen eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft getroffen und die ihm vorgeworfenen Handlungen eingeräumt hat. Ziel einer solchen Vereinbarung ist eine mögliche Reduzierung der Strafe.
Weitere Angeklagte sollen ebenfalls Verhandlungen mit der Staatsanwaltschaft anstreben. Über die Anerkennung dieser Vereinbarungen muss das zuständige Kollegialgericht in Barahona entscheiden.
Vorwürfe wegen Geldwäsche und Bestechung
Die Staatsanwaltschaft wirft dem mutmaßlichen Netzwerk darüber hinaus vor, hohe Geldbeträge aus dem Drogenhandel verwaltet und Teile davon für Schutz und interne Informationen eingesetzt zu haben.
Im Verlauf der Ermittlungen seien Bestechungszahlungen an Politiker, Geschäftsleute, Unternehmer und Angehörige des Militärs vermutet worden. Diese Vorwürfe sind Teil der Darstellung der Ermittlungsbehörden und bedeuten keine rechtskräftige Feststellung einer Beteiligung der genannten Personengruppen.
Bei Durchsuchungen wurden nach Angaben der Behörden unter anderem Fahrzeuge, Boote, Schusswaffen, Drohnen, GPS-Geräte, Kompasse und Bargeld beschlagnahmt. Zudem beruft sich die Staatsanwaltschaft auf abgehörte und transkribierte Gespräche zwischen mutmaßlichen Mitgliedern der verschiedenen Strukturen.
Mehrere Beschuldigte müssen sich weiterhin vor Gericht verantworten. Vorgeworfen werden ihnen unter anderem organisierte Kriminalität, internationaler Drogenhandel, Geldwäsche sowie Verstöße gegen das Waffenrecht.
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