In der Dominikanischen Republik sind zwischen 2019 und Mai 2025 insgesamt 16.614 Anzeigen wegen sexuellem Missbrauchs von Minderjährigen registriert worden. Das geht aus Statistiken der Generalstaatsanwaltschaft PGR hervor, die dem Medium elDinero über das öffentliche Informationsportal SAIP übermittelt wurden.
Die Zahlen zeigen das Ausmaß des Problems: Im Durchschnitt gingen in diesem Zeitraum mindestens 50 Anzeigen pro Woche ein. Das entspricht rechnerisch etwa einem gemeldeten Fall alle dreieinhalb Stunden.
Gleichzeitig liegt die Zahl der gerichtlichen Entscheidungen deutlich niedriger. Nach Angaben der Justiz wurden zwischen 2019 und 2024 insgesamt 2.217 Verurteilungen oder vergleichbare gerichtliche Entscheidungen im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch und Inzest gegen Minderjährige erlassen. Damit endet nur ein relativ kleiner Teil der gemeldeten Fälle mit einer gerichtlichen Entscheidung.
Die Zahlen sind allerdings nur eingeschränkt direkt vergleichbar. Die Justizdaten beziehen sich auf Verfahren in erster Instanz und erfassen Fallausgänge, nicht zwingend Anzeigen aus demselben Zeitraum. Auch Untersuchungshaftfälle sind darin nicht enthalten. Dennoch macht der Abstand zwischen mehr als 16.000 Anzeigen und etwas mehr als 2.000 gerichtlichen Entscheidungen deutlich, wie schwierig viele dieser Verfahren bis zu einem endgültigen Abschluss sein können.
Viele Fälle erreichen die Justiz nur schwer
Allein im Jahr 2024 wurden nach den vorliegenden Angaben 8.875 Fälle von Gewalt oder Missbrauch gegen Kinder und Jugendliche gemeldet. Davon entfielen 3.066 Fälle auf sexuellen Missbrauch. Das entspricht 34,5 Prozent aller registrierten Anzeigen gegen Minderjährige.
Für 2024 weist die Justiz trotz unvollständiger Register 554 Fälle im Zusammenhang mit Sexualdelikten gegen Minderjährige aus. Davon endeten 304 mit Verurteilungen oder vergleichbaren Entscheidungen. Besonders häufig genannt wurden Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und Inzest.
Für 2025 führen die Angaben der Justiz 1.241 Fälle im Zusammenhang mit Sexualdelikten gegen Minderjährige auf. Davon endeten 731 mit Verurteilungen oder ähnlichen Entscheidungen. Beim Straftatbestand des sexuellen Missbrauchs wurden 533 Fälle registriert, von denen 315 mit einer Verurteilung oder vergleichbaren Entscheidung abgeschlossen wurden. Hinzu kamen 367 Fälle von Vergewaltigung und 163 Fälle von Inzest.
Die Summe der einzelnen Delikte stimmt nicht immer mit der Zahl der Verfahren überein, da ein Fall mehrere Straftatbestände umfassen kann.
Fehlende Daten erschweren gezielte Maßnahmen
Auch internationale Organisationen weisen auf die Dimension des Problems hin. Unicef berichtete 2025 für die Dominikanische Republik, dass 52,2 Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren angaben, im Laufe ihres Lebens irgendeine Form sexueller Gewalt erlebt zu haben. Diese Zahl unterstreicht, dass es sich nicht nur um ein strafrechtliches, sondern auch um ein tiefes gesellschaftliches Problem handelt.
Carolina Bucher, Direktorin der Stiftung Fundación Abriendo Camino, kritisiert gegenüber elDinero vor allem das Fehlen eines einheitlichen Informationssystems. Ohne ein zentrales Register sei es schwierig, das tatsächliche Ausmaß zu erfassen, Muster zu erkennen und politische Maßnahmen zu bewerten.
Zugleich brauche es langfristige öffentliche Kampagnen, um das Schweigen über sexuellen Missbrauch zu brechen, sichere Anzeigewege zu fördern und eine Kultur des Schutzes zu stärken. Bucher weist darauf hin, dass viele Fälle nicht angezeigt werden. In Armut und verletzlichen familiären Situationen werde Schweigen mitunter als Überlebensstrategie wahrgenommen.
Besonders gefährdet seien auch Mädchen mit irregulärem Aufenthaltsstatus. Bei ihnen komme zur Angst vor dem Täter häufig die Angst vor möglichen Folgen im Kontakt mit staatlichen Stellen hinzu.
Die vorliegenden Zahlen zeigen damit nicht nur eine hohe Zahl an Anzeigen, sondern auch strukturelle Schwächen bei Erfassung, Prävention und gerichtlicher Aufarbeitung. Für den Schutz von Kindern und Jugendlichen braucht es deshalb nicht nur Strafverfolgung, sondern auch verlässliche Daten, niedrigschwellige Hilfsangebote und dauerhaft angelegte Präventionsarbeit.
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