Die Überpopulation von Straßenhunden und -katzen ist in der Dominikanischen Republik längst kein Randthema mehr. In vielen Städten und Gemeinden gehören herrenlose oder frei umherlaufende Tiere zum Alltag: an Straßenkreuzungen, in Parks, an Märkten, in Wohnvierteln und auch in touristischen Zonen.
Tierschutzorganisationen gehen davon aus, dass Millionen Hunde und Katzen auf der Straße leben oder sich regelmäßig dort aufhalten. Offizielle, aktuelle Zahlen gibt es nicht. Klar ist jedoch: Die unkontrollierte Vermehrung gilt als Hauptursache der Krise.
Sterilisation als zentrales Mittel
Nach Einschätzung von Tierärzten und Tierschützern lässt sich die Situation nur durch breit angelegte und dauerhaft finanzierte Sterilisationsprogramme verbessern. Eine nicht sterilisierte Hündin kann bis zu zwei Würfe pro Jahr haben. Pro Wurf können mehrere Welpen geboren werden. Innerhalb weniger Jahre entsteht daraus eine starke Vermehrung.
Die Folgen sind sichtbar: mehr ausgesetzte Tiere, mehr Krankheiten, mehr Verkehrsunfälle, mehr Fälle von Misshandlung und eine immer größere Belastung für private Helfer, Tierretter und überfüllte Auffangstellen.
Der Tierarzt Luis Tull Datt bezeichnet die Sterilisation als wirksamstes Mittel zur Geburtenkontrolle bei Straßenhunden. Viele Tiere hätten zwar Besitzer, würden aber dennoch auf der Straße gehalten oder dort sich selbst überlassen. Dadurch werde eine Kultur der Verantwortungslosigkeit sichtbar.
Auch der Mediziner Juan Bisso verweist auf den Zusammenhang zwischen Tierschutz und öffentlicher Gesundheit. Eine wachsende Zahl von Tieren auf der Straße erhöhe das Risiko von Zoonosen, Infektionskrankheiten und Unfällen. Aus seiner Sicht brauche es einen umfassenden Plan mit Sterilisation, Impfung, Aufklärung und verantwortungsvoller Haltung.
Gesetz vorhanden, Umsetzung schwach
Seit 2012 gibt es in der Dominikanischen Republik die Ley 248-12 zum Schutz von Tieren und zur verantwortungsvollen Tierhaltung. Das Gesetz legt Grundsätze für das Wohl von Tieren und die Verantwortung von Staat und Bürgern fest.
In der Praxis bleibt die Umsetzung jedoch begrenzt. Kritisiert wird nicht in erster Linie das Fehlen eines rechtlichen Rahmens, sondern die fehlende konsequente Anwendung. Es gibt derzeit kein nationales, staatlich finanziertes Programm für massive und dauerhafte Sterilisationen.
Nach Ansicht von Tierschützern fehlt es an klaren Zielen, Budgets, Zuständigkeiten und messbaren Ergebnissen. Besonders betroffen sind Orte, an denen sich viele Straßentiere konzentrieren: Märkte, öffentliche Plätze, improvisierte Müllkippen, Sportanlagen, staatliche Einrichtungen, touristische Bereiche und sozial schwächere Gemeinden.
Verantwortung von Staat und Kommunen
Die Verantwortung für Tierwohl und Bevölkerungskontrolle liegt vor allem beim Gesundheitsministerium und bei den Kommunen. Doch zwischen Zuständigkeit und praktischer Umsetzung besteht eine deutliche Lücke.
Von den mehr als 200 Kommunen im Land wird im Ausgangstext vor allem die Alcaldía del Distrito Nacional als Beispiel genannt, die regelmäßige Sterilisationsaktionen durchführt. Diese richten sich jedoch überwiegend an Tiere mit Besitzern. Straßenhunde und Straßenkatzen, die besonders dringend erfasst werden müssten, bleiben dadurch oft außen vor.
Dabei könnten gerade bekannte Brennpunkte gezielt einbezogen werden. Denkbar wären kommunale Einsätze mit Sterilisation, Impfung, Kennzeichnung und anschließender Betreuung. Solche Maßnahmen finden bislang jedoch nicht systematisch und landesweit statt.
Private Helfer tragen die Hauptlast
Weil staatliche Programme fehlen oder nicht ausreichen, übernehmen private Tierschützer einen großen Teil der Arbeit. Sie retten verletzte Tiere, finanzieren Behandlungen, füttern Kolonien, organisieren Adoptionen und melden Fälle von Misshandlung.
Die Tierschützerin Mara Brasola berichtet, dass ihre Initiativen früher nur wenige Dutzend Tiere pro Jahr sterilisieren konnten. Mit Unterstützung internationaler Tierärzte seien inzwischen deutlich größere Einsätze möglich. Weniger Tiere auf der Straße bedeuteten weniger Leid, weniger Unfälle und weniger vermeidbare Todesfälle.
Auch die Tierärztin Lourdes Ripley verweist auf Erfahrungen aus internationalen Programmen. Sterilisation könne das Aussetzen von Tieren reduzieren, die Gesundheit der Tiere verbessern und Tierheime entlasten. Bei Katzen werde international häufig mit Modellen gearbeitet, bei denen Tiere eingefangen, sterilisiert und anschließend kontrolliert zurückgebracht werden.
Internationale Beispiele zeigen den Weg
Als häufig genanntes Vorbild gilt die Niederlande, die durch staatlich unterstützte Sterilisation, Impfung, Registrierung, Aufklärung und strengere Regeln gegen Aussetzen die Zahl der Straßenhunde stark reduzieren konnte.
Auch andere Länder setzen auf ähnliche Konzepte. Genannt werden Costa Rica mit lokalen Erfolgen bei der Sterilisationsquote, Peru mit politischen Initiativen zur kostenlosen Sterilisation und die Türkei mit einem gesetzlichen Ansatz zur Betreuung und Sterilisation von Tieren im öffentlichen Raum.
Die gemeinsamen Elemente solcher Modelle sind klar: öffentliche Finanzierung, regelmäßige Sterilisation, Impfung, Identifikation, Förderung von Adoptionen und Sanktionen gegen verantwortungsloses Aussetzen.
Lösung braucht Struktur und Geld
Sterilisation allein löst das Problem nicht vollständig. Sie muss mit Registrierung, verantwortungsvoller Vermittlung, Bildungsarbeit und einer stärkeren Einbindung von Gemeinden und Privatsektor verbunden werden.
Die Föderation für Tierrechte in der Dominikanischen Republik fordert nach Angaben von Lorenny Solano staatliche Mittel aus dem nationalen Haushalt, um dauerhafte Sterilisationskampagnen zu finanzieren. Aus Sicht der Organisation ist das Thema keine freiwillige Zusatzaufgabe, sondern dringend.
Die Überpopulation von Straßentieren ist damit nicht nur ein Tierschutzproblem. Sie betrifft Gesundheit, Verkehrssicherheit, öffentliche Ordnung, das Bild von Gemeinden und die Lebensqualität der Bevölkerung.
Die vorgeschlagenen Lösungen liegen auf dem Tisch: massenhafte und dauerhafte Sterilisation, Impfungen, Kennzeichnung, Adoption, Aufklärung und klare Verantwortung der Behörden. Entscheidend ist nun, ob daraus eine öffentliche Politik mit Budget, Planung und messbarer Wirkung wird.

