Fast ein Jahr nach der Ankündigung von 143 Regierungsmaßnahmen zur Verbesserung des Verkehrs in Santo Domingo sehen Vertreter wichtiger Transportverbände weiterhin erhebliche Defizite. Aus ihrer Sicht reichen neue Verkehrskorridore und der Ausbau der Metro allein nicht aus, um die tägliche Überlastung spürbar zu verringern.
William Figuereo, Direktor der Central Nacional de Transportistas Unificados (CNTU), bezeichnete die bisherigen Schritte als positiv. Gleichzeitig forderte er dringend zusätzliche Infrastruktur, um Unfälle und Staus zu reduzieren.
Dazu zählt aus seiner Sicht der Bau von Mittelinseln auf zweispurigen Hauptverkehrsstraßen wie der Straße nach Baní. Solche baulichen Trennungen könnten frontale Zusammenstöße verhindern, die dort immer wieder vorkommen.
Ein weiteres Problem sieht Figuereo beim Mangel an Parkplätzen. Viele ältere Gebäude verfügten noch über Parkflächen, die vor Jahrzehnten geplant wurden und heute nicht mehr ausreichen. Deshalb wichen Autofahrer auf die Straße aus und verschärften den Verkehrsdruck zusätzlich.
Die CNTU schlägt außerdem vor, den öffentlichen Verkehr stärker in die Nacht hinein auszuweiten. Metro und Verkehrskorridore sollten demnach bis 1.30 Uhr morgens fahren. So könnten Arbeitnehmer mit längeren Arbeitszeiten eher auf Bus und Metro umsteigen, statt private Fahrzeuge zu nutzen.
Mario Díaz, Direktor der Federación Nacional de Trabajadores del Transporte Social Cristianos (Fenattransc), sieht einen weiteren zentralen Punkt: Ohne Kontrolle der massiven Einfuhr von Autos und Motorrädern werde sich die Verkehrslage kaum verbessern.
Díaz fordert die Umsetzung der technischen Fahrzeugprüfung, die in der Ley 63-17 vorgesehen ist. Nach seiner Einschätzung könnten dadurch bis zu 40 Prozent des als „Schrott“ bezeichneten Fahrzeugbestands aus dem Verkehr gezogen werden.
Gemeint sind unter anderem Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs, Pick-ups und Lastwagen in schlechtem Zustand, die ohne funktionierende Beleuchtung fahren oder übermäßig Abgase ausstoßen.
Fenattransc bringt zudem weitergehende Maßnahmen ins Spiel. Dazu gehören ein vorübergehendes Verbot der Einfuhr von Motorrädern sowie Einschränkungen für Motorräder auf wichtigen Hauptstraßen.
Als weiteres Instrument nennt Díaz ein System mit abwechselnder Nutzung nach Kennzeichen, ähnlich dem in anderen Ländern bekannten „Pico y placa“. Fahrzeuge dürften dann an bestimmten Tagen je nach Kennzeichennummer nicht fahren. Nach Ansicht des Verbandes könnte eine solche Regelung an drei Tagen pro Woche helfen, die Mobilitätskrise zu entschärfen.
Die Vorschläge zeigen, dass die Verkehrsdebatte in Santo Domingo weit über neue Straßen oder mehr öffentliche Verkehrsmittel hinausgeht. Entscheidend bleiben aus Sicht der Transportverbände Kontrolle, Ordnung, technische Standards und eine bessere Steuerung des wachsenden Fahrzeugbestands.

