Viele Jugendliche verlassen Schule

Über 52.000 Jugendliche verlassen öffentliches Schulsystem

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Mehr als 52.000 Jugendliche haben in der Dominikanischen Republik das öffentliche Bildungssystem für mehr als zwei Jahre verlassen. Das geht aus Daten der Iniciativa Dominicana por una Educación de Calidad (IDEC) hervor.

Die Untersuchung verfolgte Schüler über acht Jahre hinweg, beginnend mit ihrem Eintritt in die erste Klasse der Sekundarstufe in den Schuljahren 2016–2017, 2017–2018 und 2018–2019.

Nach Angaben der IDEC lag die Abbruchquote bei 32,6 Prozent. Das entspricht 52.925 Jugendlichen aus einer untersuchten Gruppe von rund 162.000 Schülern.

Ein großer Teil der betroffenen Jugendlichen stammt aus urbanen Gebieten. Von den Schulabbrechern hatten 45 Prozent das Schuljahr bestanden, während 55 Prozent den Zyklus vorzeitig verließen.

Laut Bericht hatten 45 Prozent der untersuchten Schüler mindestens eine längere Unterbrechung, bei der sie ein ganzes Schuljahr nicht zur Schule gingen. Weitere 23 Prozent begannen ein Schuljahr, schlossen es aber nicht ab.

Besonders hohe Abbruchquoten wurden in Mao, Monte Cristi und Nagua registriert. In Mao lag der Wert bei 47,6 Prozent, in Monte Cristi bei 45,9 Prozent und in Nagua bei 44,9 Prozent.

Katherine Javier, Beraterin der IDEC, erklärte, diese Zahlen deuteten auf eine besonders hohe Verwundbarkeit des Bildungssystems in diesen Regionen hin.

Der Bericht zeigt auch deutliche Unterschiede nach Herkunft und Geschlecht. Bei Schülern haitianischer Nationalität lag die Abbruchquote bei 49,7 Prozent. Damit war sie rund 17 Prozentpunkte höher als bei dominikanischen Schülern, deren Quote 32,1 Prozent betrug.

Auch zwischen Jungen und Mädchen gibt es erhebliche Unterschiede. 40 Prozent der männlichen Schüler brachen die Schule ab, gegenüber 24,8 Prozent der weiblichen Schüler.

Als zentrale Ursachen nennt die IDEC wirtschaftliche Probleme, fehlende Motivation, eine geringe Verbindung zum Lehrplan, wiederholte schulische Rückschläge, familiäre Faktoren, Schwangerschaften im Jugendalter, Gewalt und ein belastetes Schulklima.

Jerson del Rosario kritisierte bei der Vorstellung der Ergebnisse, dass Schule für viele Jugendliche zunehmend zu einem rein formalen Ablauf geworden sei. Aufgaben würden erledigt, Noten vergeben, doch tatsächliches Lernen bleibe oft aus.

Er sprach von einer besorgniserregenden Zahl an Schulabgängern mit sehr schwachen Grundkompetenzen. Gemeint sind junge Menschen, die trotz Abschluss Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und analytischen Denken haben.

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Ein weiterer Faktor sei Desinteresse am Unterricht. Wenn Klassen nicht dynamisch gestaltet seien und der Lehrplan die Jugendlichen nicht erreiche, sinke die Bindung an die Schule.

Del Rosario verwies auch auf neue technologische Gewohnheiten. Wenn Schüler Aufgaben mithilfe digitaler Werkzeuge nur noch ausfüllen, ohne Inhalte wirklich zu verstehen, könne dies den Lernprozess zusätzlich schwächen.

Der Bericht soll dazu beitragen, Ursachen für Schulabbrüche besser zu erkennen und gezielter gegenzusteuern. Die Ergebnisse wurden auch Lehrkräften der Universidad Iberoamericana (Unibe) vorgestellt, um weitere Analysen und mögliche Lösungsansätze anzustoßen.

Für die Dominikanische Republik ist die hohe Schulabbruchquote ein zentrales gesellschaftliches Problem. Sie betrifft nicht nur das Bildungssystem, sondern auch berufliche Chancen, soziale Mobilität und die langfristige Entwicklung des Landes.