Die touristischen Investitionen in der Dominikanischen Republik wachsen weiter. Gleichzeitig nimmt die Zahl neuer Hotelzimmer nicht im gleichen Tempo zu. Nach Einschätzung der Branche zeigt sich darin ein Wandel im Entwicklungsmodell des Sektors.
Neue Projekte setzen nicht mehr allein auf mehr Kapazität. Im Mittelpunkt stehen zunehmend höhere Standards, modernisierte Anlagen, nachhaltigere Konzepte und Angebote, die stärker auf das Erlebnis der Gäste ausgerichtet sind.
Aguie Lendor, geschäftsführende Vizepräsidentin des Hotel- und Tourismusverbandes Asonahores, sieht darin keine Abschwächung der Investitionstätigkeit. Vielmehr verändere sich die Art, wie Kapital im dominikanischen Tourismus eingesetzt werde.
Ein größerer Teil der ausländischen Direktinvestitionen fließe heute nicht mehr ausschließlich in neue Hotelbauten. Stattdessen gehe es stärker um Übernahmen, Renovierungen, touristische Immobilienentwicklungen und Projekte einer höheren Kategorie. Solche Vorhaben schaffen pro investiertem Dollar weniger neue Zimmer, erhöhen aber den Wert und die Qualität des Angebots.
Eine offizielle Aufschlüsselung der touristischen Direktinvestitionen, mit der sich diese Entwicklung exakt beziffern ließe, gibt es laut Lendor derzeit nicht. Verschiedene Branchenindikatoren deuteten jedoch darauf hin, dass immer mehr Kapital in die Verbesserung und Aufwertung bestehender Angebote fließe.
Besonders sichtbar sei diese Neuausrichtung in Destinationen wie Puerto Plata, Punta Cana, Miches und Samaná. Dort investierten Unternehmen verstärkt in Renovierungen, Neupositionierungen und hochwertige touristische Produkte.
Diese Entwicklung entspricht nach Angaben von Asonahores einem internationalen Trend. Investoren konzentrieren sich stärker auf die Differenzierung ihrer Angebote und die bessere Nutzung bestehender Anlagen, anstatt ausschließlich die Zahl der Zimmer zu erhöhen.
Hinzu kommt ein zeitlicher Effekt. Hotelprojekte benötigen in der Regel ein bis drei Jahre von der Investitionsentscheidung bis zur Eröffnung. Die geringere Ausweitung der Zimmerkapazität zwischen 2022 und 2025 hängt daher teilweise mit Projekten zusammen, die in den Jahren 2020 und 2021 gestoppt, verschoben oder neu dimensioniert wurden.
Lendor geht davon aus, dass die hohen Investitionssummen der vergangenen Jahre ab 2025 und 2026 wieder stärker in neuen Zimmerkapazitäten sichtbar werden könnten.
Parallel sind die Kosten pro Hotelzimmer deutlich gestiegen. Während sie früher teilweise bei rund 200.000 US-Dollar lagen, erreichen einzelne Projekte heute mehr als 500.000 US-Dollar pro Einheit. Gründe dafür sind höhere Ansprüche an Qualität, Design und Gästeerlebnis.
Asonahores verweist zudem auf gestiegene Baukosten, höhere Grundstückspreise in touristischen Zonen und strengere Finanzierungsbedingungen. Diese Faktoren erhöhen die Gesamtkosten neuer touristischer Projekte und beeinflussen damit auch die Geschwindigkeit, mit der zusätzliche Hotelzimmer entstehen.
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