Im Prozess um den Einsturz der Diskothek Jet Set in Santo Domingo hat der Leiter der staatlichen Behörde für seismische Bewertung und Gebäudesicherheit ONESVIE, Leonardo de Jesús Reyes Madera, eine massive Überlastung des Daches als Ursache des Zusammenbruchs bezeichnet.
Reyes Madera sagte als Sachverständiger der Staatsanwaltschaft im Hauptverfahren gegen Antonio und Maribel Espaillat aus. Bei dem Einsturz kamen nach den im Ausgangstext genannten Angaben 236 Menschen ums Leben, mehr als 80 weitere wurden verletzt.
Nach Darstellung des Sachverständigen war insbesondere das Gewicht einer auf dem Dach aufgebrachten Mörtelschicht problematisch. Ursprünglich sei für die Entwässerung eine Schicht von sieben Zentimetern vorgesehen gewesen. Untersuchungen der Trümmer hätten jedoch an einzelnen Stellen eine Dicke von bis zu 37,5 Zentimetern ergeben.
Dadurch habe sich die dauerhafte Belastung der Dachkonstruktion erheblich erhöht. Reyes Madera zufolge stieg die Belastung von ursprünglich vorgesehenen rund 160 Pfund pro Quadratmeter auf mehr als 650 Pfund pro Quadratmeter.
Zusätzliche Anlagen auf dem Dach
Neben der schweren Mörtelschicht seien im Laufe der Jahre immer mehr technische Anlagen auf dem Dach installiert worden. Anhand von Satellitenbildern hätten die Ermittler festgestellt, dass die Zahl von Klimageräten und Wassertanks von sieben im Jahr 2011 auf 17 zwischen 2022 und 2025 gestiegen sei.
Der Sachverständige erklärte außerdem, das Gebäude sei ursprünglich als Kino konzipiert worden. Die damalige leichte, geneigte Metallkonstruktion des Daches sei später im Zuge des Umbaus zur Diskothek entfernt und durch ein System aus vorgespannten Betonplatten ersetzt worden.
Im Laufe der Jahre seien weitere architektonische Veränderungen vorgenommen worden. Unter anderem seien Teile von Säulen verändert worden, um Bühne und Barbereiche zu vergrößern.
Bei den Untersuchungen wurde nach Angaben des Experten auch festgestellt, dass eine tragende Säule an einem Fundament entfernt worden war. Reyes Madera erklärte jedoch ausdrücklich, dass diese Veränderung zwar die Stabilität beeinträchtigt habe, nach seiner Bewertung aber nicht die unmittelbare Ursache des Einsturzes gewesen sei.
Erdbeben, Explosion und Brand ausgeschlossen
Vor der Bewertung der Dachlast habe das technische Team nach Angaben des Sachverständigen mögliche äußere Ursachen geprüft. Dazu seien Informationen von Meteorologie, Seismologie, Polizei und Feuerwehr herangezogen worden.
Erdbeben, Hurrikan, Feuer oder Explosion seien demnach als Auslöser ausgeschlossen worden.
Anschließend sei die Tragfähigkeit der Konstruktion mit den tatsächlich vorhandenen Belastungen verglichen worden. Nach Darstellung Reyes Maderas habe diese Analyse gezeigt, dass die Belastung des Daches die vorgesehene Kapazität deutlich überschritten habe.
Für die Rekonstruktion des Einsturzes setzte das Expertenteam nach seinen Angaben außerdem eine Computersimulation ein. Damit wurden unter anderem die Abfolge des Zusammenbruchs, die Bewegung der Trümmer und Risse an den Dachträgern untersucht.
Reyes Madera kam in seiner Aussage zu dem Schluss, dass vor allem die Kombination aus der außergewöhnlich dicken Mörtelschicht und der zusätzlichen technischen Ausstattung auf dem Dach zum strukturellen Versagen geführt habe. Über die strafrechtliche Verantwortung der Angeklagten entscheidet das Gericht.
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