Die Dominikanische Republik hat sich mit der Meta RD 2036 ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Das Bruttoinlandsprodukt soll von rund 124,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf etwa 249,2 Milliarden Dollar bis 2036 steigen. Gleichzeitig soll sich das BIP pro Kopf von ungefähr 11.541 auf rund 23.082 US-Dollar erhöhen.
Als Orientierung gilt dafür ein langfristiges Wirtschaftswachstum von etwa sechs Prozent pro Jahr. Nach Einschätzung des vorliegenden Analysebeitrags ist das Ziel grundsätzlich erreichbar, inzwischen aber deutlich schwieriger geworden.
Der Grund liegt vor allem in der jüngsten Wachstumsentwicklung. Nach einem Plus von fünf Prozent im Jahr 2024 verlangsamte sich das Wachstum 2025 auf 2,1 Prozent. Für 2026 wird im Beitrag mit einem Wachstum von etwa vier bis 4,5 Prozent gerechnet.
Unter diesen Annahmen müsste die dominikanische Wirtschaft zwischen 2027 und 2036 im Durchschnitt bereits um etwa 6,5 Prozent pro Jahr wachsen, um ihre reale Wirtschaftsleistung gegenüber dem Ausgangsniveau zu verdoppeln.
Pro-Kopf-Ziel noch anspruchsvoller
Noch höher wäre die erforderliche Wachstumsrate, wenn sich nicht nur die Gesamtwirtschaft, sondern auch die reale Wirtschaftsleistung pro Einwohner verdoppeln soll.
Bei einem angenommenen Bevölkerungswachstum von rund 0,8 Prozent jährlich müsste das reale BIP nach den Berechnungen des Autors über längere Zeit mit etwa 7,3 bis 7,4 Prozent pro Jahr wachsen.
Das liegt deutlich über der im Beitrag genannten Schätzung des langfristigen Wachstumspotenzials der dominikanischen Wirtschaft von etwa 4,5 bis fünf Prozent.
Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur, ob das Land zeitweise sechs Prozent Wachstum erreichen kann, sondern ob sich die Produktionskapazität dauerhaft auf ein wesentlich höheres Niveau heben lässt.
Dafür wäre nach Einschätzung des Autors vor allem eine deutlich stärkere Produktivitätsentwicklung notwendig. Genannt werden Verbesserungen bei Bildung, beruflicher Qualifizierung, Innovation, Technologie, Infrastruktur, institutioneller Qualität und Unternehmensproduktivität.
Öffentliche Investitionen als Engpass
Eine besondere Rolle spielt dabei die staatliche Investitionstätigkeit. Für 2026 sind laut Beitrag öffentliche Investitionen von rund 215,3 Milliarden Pesos vorgesehen. Das entspricht etwa 2,5 Prozent des BIP.
Aus dem Finanz- und Wirtschaftsministerium sei dagegen die Einschätzung geäußert worden, dass öffentliche Investitionen von etwa vier Prozent des BIP jährlich notwendig sein könnten, um das Verdoppelungsziel bis 2036 zu unterstützen.
Eine solche Erhöhung wäre allerdings finanzpolitisch anspruchsvoll. Für 2026 werden im Beitrag Staatsausgaben von 18,7 Prozent des BIP und Einnahmen von 15,5 Prozent genannt.
Damit wird die Meta RD 2036 zugleich zu einer fiskalischen Herausforderung: Der Staat müsste mehr Mittel für produktive Investitionen bereitstellen, ohne die Verschuldung dauerhaft aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Entscheidend wäre dabei nicht allein die Höhe der Ausgaben. Investitionen in Verkehr, Energie, Wasserversorgung, Technologie und andere öffentliche Infrastruktur müssten zugleich effizienter eingesetzt werden und die Produktivität der Privatwirtschaft erhöhen.
BIP in Dollar kann täuschen
Der Autor weist zudem auf einen wichtigen Unterschied bei der Messung des Ziels hin. Ein steigendes BIP in US-Dollar bedeutet nicht automatisch, dass die reale Wirtschaftsleistung im gleichen Umfang zunimmt.
Das in Dollar ausgedrückte nominale BIP wird auch von Inflation und Wechselkurs beeinflusst. Eine Aufwertung des dominikanischen Peso könnte das in Dollar gemessene BIP erhöhen, ohne dass die reale Produktion entsprechend stark wächst.
Für eine aussagekräftige Bewertung der Meta RD 2036 müssten deshalb mehrere Größen getrennt betrachtet werden: das reale BIP pro Kopf, das nominale BIP in Pesos sowie das in US-Dollar ausgedrückte BIP pro Kopf.
Hinzu kommen externe Risiken. Die dominikanische Wirtschaft hängt stark von Tourismus, Rücküberweisungen, Exporten, ausländischen Investitionen und internationalen Finanzbedingungen ab. Eine schwächere US-Wirtschaft, höhere internationale Zinsen, steigende Energiepreise oder geopolitische Spannungen könnten das Wachstum bremsen.
Die Meta RD 2036 bleibt damit nach Einschätzung des Beitrags erreichbar, verlangt aber deutlich mehr als eine mathematische Fortschreibung. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die Produktivität zu erhöhen, mehr und effizienter zu investieren und gleichzeitig die makroökonomische Stabilität zu bewahren.
Weitere Analysen zur wirtschaftlichen Entwicklung finden Sie im Ressort Wirtschaft und Finanzen.
