Lärmbelästigung gehört in der Dominikanischen Republik zu den wichtigen Auslösern von Konflikten im direkten Lebensumfeld. Nach Angaben von Generalstaatsanwältin Yeni Berenice Reynoso registrierte die Notrufzentrale 911 zwischen dem 1. Januar und dem 7. August insgesamt 91.423 Anrufe wegen Lärmbelästigung.
Besonders betroffen waren Santo Domingo Oeste, der Distrito Nacional, Santo Domingo Norte und Boca Chica sowie angrenzende Gebiete. Rund 52,4 Prozent der Beschwerden wurden an Samstagen und Sonntagen registriert.
Reynoso erklärte beim ersten regionalen Dialog über das Zusammenleben in Wohnvierteln, dass übermäßiger Lärm häufig nicht bei einer einfachen Belästigung bleibe. Er könne Auseinandersetzungen, Aggressionen und Stress auslösen und dadurch bestehende Konflikte zwischen Nachbarn oder Familien verschärfen.
Viele Gewalttaten entstehen aus sozialen Konflikten
Nach Einschätzung der Generalstaatsanwältin ist ein erheblicher Teil der Gewalt im Land nicht unmittelbar auf organisierte Kriminalität zurückzuführen. Rund 56 Prozent der Tötungsdelikte stünden nach den von ihr genannten Daten in Verbindung mit Intoleranz, Alkoholkonsum, persönlichen Auseinandersetzungen oder familiären Konflikten.
Auch die Zahlen der Staatsanwaltschaft verdeutlichen nach ihrer Darstellung die Bedeutung sozialer und familiärer Spannungen. Im Jahr 2025 gingen bei der Procuraduría General de la República insgesamt 236.783 Fälle ein. Davon entfielen 73.295 auf geschlechtsspezifische, häusliche oder sexuelle Gewalt. Zusätzlich wurden mehr als 26.000 Fälle von Todesdrohungen registriert.
Von den erfassten Gewaltdelikten entfielen laut Reynoso 52,57 Prozent auf häusliche Gewalt, 34,55 Prozent auf geschlechtsspezifische Gewalt und 12,88 Prozent auf sexuelle Gewalt.
Die Generalstaatsanwältin sprach sich deshalb für einen stärkeren Schwerpunkt auf Prävention aus. Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte könnten die Probleme nicht allein lösen, wenn Konflikte erst nach einer Eskalation behandelt würden.
Prävention soll bereits in den Gemeinden beginnen
Reynoso schlug einen staatlichen und gesellschaftlichen Pakt gegen Gewalt und Kriminalität vor. Daran sollten neben staatlichen Institutionen auch Nachbarschaftsorganisationen, Kirchen, Schulen, Universitäten und andere gesellschaftliche Gruppen beteiligt werden.
Eine wichtige Rolle sieht sie insbesondere bei Schulen und Familien. Probleme müssten möglichst früh erkannt werden, bevor Konflikte in Gewalt umschlagen. Dazu gehöre auch eine stärkere Betreuung von Jugendlichen, die die Schule abbrechen.
Als weitere Maßnahmen nannte Reynoso eine gesetzliche Regelung für das gesellschaftliche Zusammenleben sowie eine bessere Erfassung und Auswertung von Daten zur öffentlichen Sicherheit.
Auch Motorräder und gestohlene Mobiltelefone wurden als Problemfelder angesprochen. Nach Angaben der Generalstaatsanwältin werden mehr als 80 Prozent der Raubüberfälle unter Nutzung von Motorrädern begangen. Sie forderte deshalb eine stärkere Registrierung und Kontrolle dieser Fahrzeuge. Mobilfunkunternehmen sollten zudem verhindern, dass als gestohlen gemeldete Telefone erneut aktiviert werden können.
Der regionale Dialog fand an der Universidad Católica Nordestana (UCNE) statt und sollte Probleme des alltäglichen Zusammenlebens in den Wohnvierteln identifizieren sowie mögliche Lösungen diskutieren.
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