Retten statt verschwenden

Lebensmittel retten statt wegwerfen: Banco de Alimentos versorgt Tausende

In der Dominikanischen Republik werden jede Woche große Mengen noch genießbarer Lebensmittel vernichtet. Gleichzeitig sind viele Menschen auf Unterstützung angewiesen. Der Banco de Alimentos de la República Dominicana versucht, diese beiden Probleme miteinander zu verbinden: Lebensmittelüberschüsse werden eingesammelt, geprüft und über soziale Organisationen an Bedürftige verteilt.

Die Initiative entstand 2010 auf Anstoß von Pater Domingo Legua. Ziel war es, Lebensmittel, die ihren Handelswert verloren haben, aber weiterhin für den Verzehr geeignet sind, vor der Entsorgung zu bewahren.

Heute stammen die geretteten Lebensmittel vor allem von landwirtschaftlichen Produzenten, Supermärkten, Importeuren, Großhändlern und Herstellern. Künftig soll auch die Zusammenarbeit mit Hotels, Restaurants und anderen gastronomischen Betrieben ausgebaut werden.

Nach Angaben der Geschäftsführerin Julina Staffeld versorgt die Organisation jeden Monat mehr als 20.000 Menschen. Die Verteilung erfolgt über ein Netzwerk von rund 200 sozialen Einrichtungen im ganzen Land. Unterstützt werden unter anderem Waisenkinder, Missbrauchsopfer, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und Personen in der Suchttherapie.

Bevor Lebensmittel weitergegeben werden, werden sie überprüft, sortiert und gelagert. Häufig handelt es sich um Produkte, die wegen veränderter Verpackungen, Überbeständen, nahendem Mindesthaltbarkeitsdatum oder logistischer Probleme nicht mehr verkauft werden können.

Jährlich rettet und verteilt der Banco de Alimentos nach eigenen Angaben inzwischen mehr als eine Million Kilogramm Lebensmittel. Gleichzeitig verweist Staffeld auf Schätzungen, wonach in der Dominikanischen Republik rund 1,1 Millionen Kilogramm Lebensmittel pro Woche verloren gehen oder weggeworfen werden. Etwa 93 Prozent dieser Verluste sollen bereits in der landwirtschaftlichen Produktion entstehen.

Ein zentrales Problem bleibt die Logistik. Überschüssige Lebensmittel müssen häufig sehr schnell abgeholt, geprüft und verteilt werden, bevor sie verderben. Dafür sind Transport, Kühlung, Lagerung und leistungsfähige Partnerorganisationen notwendig.

Staffeld kritisiert außerdem bestehende regulatorische Hürden. Nach ihrer Darstellung kann die Anwendung der DGII-Norm 09-21 dazu führen, dass Unternehmen bei der Vernichtung von Produkten weniger Aufwand haben als bei einer Spende. Die Organisation fordert deshalb Regeln und Anreize, die die Weitergabe noch genießbarer Lebensmittel erleichtern.

Neben Unternehmen sieht der Banco de Alimentos auch den Staat und die Bevölkerung in der Verantwortung. Unternehmen könnten Überschüsse spenden, öffentliche Stellen regulatorische Hindernisse abbauen und Bürger durch ehrenamtliche Mitarbeit, finanzielle Unterstützung oder einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln beitragen.

Beitragsbild(er):elnacional.com.do