Blackout schwerer als gedacht

Stromausfall im Februar zeigt strukturelle Schwächen im Energiesystem

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Der landesweite Stromausfall vom 23. Februar in der Dominikanischen Republik war gravierender als zunächst angenommen. Ein nun veröffentlichter Bericht des Koordinierungsorgans des nationalen Stromnetzes (OC-SENI) zeigt, dass nicht ein einzelner Auslöser verantwortlich war, sondern eine Kombination struktureller Schwächen – darunter fehlende Investitionen und unzureichende Überwachung.

Ausgangspunkt war eine einphasige Störung an einer 138-Kilovolt-Leitung zwischen Hainamosa und Villa Duarte. Diese wurde von der staatlichen Übertragungsgesellschaft gemeldet. Nach Einschätzung der Experten hätte dieser Vorfall allein jedoch keinen landesweiten Blackout auslösen dürfen.

Kettenreaktion im System

Entscheidend war das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Schäden an einem Schalter in Hainamosa führten dazu, dass sich die Störung ausweitete und eine Kettenreaktion im Netz auslöste. Insgesamt wurden 13 Schutzabschaltungen in verschiedenen Leitungen registriert.

In der Folge gingen zahlreiche Kraftwerke vom Netz, darunter auch mehrere Solarparks. Insgesamt fielen über 358 Megawatt Leistung abrupt aus. Besonders kritisch: Zum Zeitpunkt des Ereignisses lag der Anteil erneuerbarer Energien bei rund 39 Prozent.

Auch Probleme bei Schutzsystemen und der automatischen Lastabwurfsteuerung (EDAC) wurden festgestellt. Diese hätten den Systemkollaps eigentlich abfedern sollen, funktionierten jedoch nicht optimal.

System lief zuvor stabil

Laut Bericht befand sich das Stromnetz vor dem Ereignis in einem stabilen Zustand. Die Stromproduktion lag bei rund 2.836 Megawatt, die Nachfrage bei etwa 2.667 Megawatt. Es bestand also eine Reserve von rund 6,4 Prozent.

Frequenz und Versorgung lagen im Normalbereich, auch erneuerbare Energiequellen wie Solar-, Wind- und Wasserkraft arbeiteten ohne Auffälligkeiten.

Schwächen bei einzelnen Kraftwerken

Während viele Anlagen korrekt auf die Frequenzschwankungen reagierten, wurden bei einzelnen Kraftwerken Schwächen festgestellt. Bei den Anlagen Itabo 1 und 2 konnten aufgrund fehlerhafter Daten keine verlässlichen Aussagen getroffen werden.

Die Einheit Pimentel 4 zeigte nur eine sehr begrenzte Reaktion. Andere Anlagen wie SIBA oder Quisqueya reagierten hingegen stabil und unterstützten das System bei der Stabilisierung.

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Ein weiterer kritischer Moment trat auf, als das Kraftwerk Punta Catalina 2 kurz nach der Stabilisierung abgeschaltet wurde. Grund war ein technischer Schutzmechanismus aufgrund niedriger Spannung.

Schnelle Wiederherstellung – aber klare Warnsignale

Positiv bewertet der Bericht die schnelle Reaktion der Schutzsysteme, die eine noch größere Ausweitung des Blackouts verhinderten. Die Wiederherstellung der Stromversorgung erfolgte schrittweise und konnte noch am selben Tag abgeschlossen werden.

Dennoch macht der Bericht deutlich: Das dominikanische Stromsystem weist weiterhin strukturelle Schwächen auf, die seine Stabilität mittel- und langfristig gefährden können.

Zu den wichtigsten Empfehlungen zählen Investitionen in die Infrastruktur, eine bessere Koordination der Schutzsysteme, der Ausbau von Batteriespeichern sowie die schnellere Modernisierung von Umspannwerken.